I Am Not Your Negro

Raoul Peck, USA, France, 2017o

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À travers les propos et les écrits de l’écrivain noir américain James Baldwin, Raoul Peck propose un film qui revisite les luttes sociales et politiques des Afro-Américains au cours de ces dernières décennies.

Ce militantisme cinématographique assumé tranche avec le syndrome de la « bonne distance » qui touche une vaste frange de la création documentaire. L’actualité frappante du texte de Baldwin est désespérante (on en est encore là), autant que son intelligence est profondément vivifiante : nous avons des armes pour lutter.

Camille Bui

Raoul Peck convoque l’âme littéraire de James Baldwin pour connecter les luttes des droits civiques passées à la situation actuelle aux USA. Des correspondances essentielles et passionnantes qui font de ce documentaire un modèle du genre.

Frédéric Mignard

Avec pour seul commentaire les mots incisifs de l'écrivain noir James Baldwin, le cinéaste haïtien signe un réquisitoire choc contre le déni de l'Amérique blanche, mais aussi un ­vibrant appel à la fraternité.

Isabelle Poitte

Le film de Raoul Peck est admirablement monté, à partir d’archives incroyables, parfois difficiles à supporter, dont la plupart semblent inédites. En une heure et demie, Peck fait le tour de la question noire aux Etats-Unis, raconte l’histoire de l’esclavage, de l’abolitionnisme, de la lutte des Afro-Américains pour obtenir l’égalité des droits.

Jean-Baptiste Morain

Raoul Pecks grandioser Essayfilm war für den Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert und basiert auf einem Manuskript, das der afroamerikanische Autor und Sozialkritiker James Baldwin bei seinem Tod 1987 hinterlassen hat. Persönliche Erinnerungen an die ermordeten Bürgerrechtler Edgar Mevers, Malcolm X und Martin Luther King Jr. mischen sich mit Gedanken zum Schwarzsein in den USA und Bildern von Polizeigewalt. Das ist nicht nur Geschichtsstoff, sondern auch schockierend aktuell.

Jan Kedves

Essayistischer Dokumentarfilm über ein nachgelassenes Manuskript des afro-amerikanischen Schriftstellers James Baldwin (1924-1987), in dem er sich mit der Geschichte des Rassismus in den USA beschäftigt und sich an die Bürgerrechtler Medgar Evers, Malcolm X und Martin Luther King erinnert. Der aus Haiti stammende Regisseur Raoul Peck gibt Baldwins Fragment eine filmische Form, indem er den Text mit Archivaufnahmen, Interviews und Fotos aus der Zeit der Bürgerrechtsbewegung, aber auch mit Bildern jüngerer Ereignisse unterlegt. Dabei verdichten sich die historischen Perspektiven zu einer erschütternden Gegenwartsdiagnose über weißen Wahn und Überlegenheitsfantasien.

N.N.

Galerie photoso

Time Magazine, 01/02/2017
© Tous droits réservés Time Magazine. Fourni par Time Magazine Archiv
The Guardian, 12/10/2016
© Tous droits réservés The Guardian. Fourni par The Guardian Archiv
30/03/2017
Geschichte ist Gegenwart

Der Dokumentarfilm „I Am Not Your Negro“ über den Aktivisten James Baldwin.

De Jan Kedves 

Dieser Film kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, möchte man rufen, und erschrickt dabei über die eigene Begeisterung. Denn das Thema von Raoul Pecks Dokumentarfilm „I Am Not Your Negro“ ist grausam. Der richtige Zeitpunkt scheint es zu sein, weil die „race relations“, das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß in den USA, an einem neuen Tiefpunkt angelangt zu sein scheinen. Vor einer Woche lief ein weißer Armee-Veteran durch New York mit dem Ziel, schwarze Männer zu lynchen. Einen erstach er, den 66-jährigen Timothy Caughman, andere sollten folgen. Die Medien in den USA winden sich, die Tat und die Ideologie dahinter als das zu bezeichnen, was sie sind: weißer Terror.

Zugleich trügt aber das Gefühl, „I Am Not Your Negro“ könne kaum besser in die Zeit passen, weil der Film zu jedem anderen Zeitpunkt in den vergangenen Jahren genauso gepasst hätte. Zu der Rodney-King-Misshandlung in L. A. 1991, zur Tötung des 12-jährigen Tamir Rice durch einen Polizisten in Cleveland, Ohio vor drei Jahren. Überhaupt ist die Annahme, ein Film könne gerade „passen“, natürlich potenziell verhängnisvoll, weil sie nahelegen könnte, allein durch das Anschauen des Filmes sei schon etwas Positives erreicht.

So einfach ist es nicht, und James Baldwin, der in Harlem geborene Autor und Bürgerrechtler (1924 – 1987), wäre wohl der Letzte gewesen, der so einem naiven Verständnis von „Jetzt lernen wir mal aus der Geschichte“ auf den Leim gegangen wäre. Im Gegenteil: „Die Geschichte ist nicht die Vergangenheit. Sie ist die Gegenwart. Wir tragen sie in uns. Wir sind unsere Geschichte“, schrieb er in seinem Manuskript „Remember This House“ von 1979, das der haitianische Filmemacher Peck nun zur Grundlage seines großen Essayfilms gemacht hat. Er unterlegt Baldwins Text mit genau recherchierten Bildern von Lynchmorden und Bürgerrechtsdemonstrationen, mit TV-Werbung, mit Ausschnitten aus Interviews und Talkshows.

In den USA ist „I Am Not Your Negro“ gefeiert worden und war für einen Oscar nominiert, weil er auf beachtliche Weise dreierlei leistet: Er erinnert an Baldwin und illustriert dabei dessen Absicht, die „Geschichte Amerikas anhand der Leben dreier seiner ermordeten Freunde zu erzählen“. Damit sind Medgar Evers, Malcolm X und Martin Luther King Jr. gemeint. Und drittens: Dass die Schwarzen in den USA nicht Schwarze sind, sondern zu Schwarzen gemacht werden, von den Weißen, das hat man lange nicht mehr so anschaulich in einem Film dargelegt bekommen.

Baldwin ging 1948 ins selbstgewählte Exil nach Paris, um Abstand von der Segregation zu gewinnen. Zuvor hatte er sich im New Yorker Village kurzzeitig eine Wohnung mit Marlon Brando geteilt. In Paris schrieb er „Giovanni’s Room“, einen der ersten Romane mit eindeutig homoerotischem Inhalt. 1955 fühlte er sich aber verpflichtet, in die USA zurückkehren und seine Schwestern und Brüder im Kampf zu unterstützen. Man sieht ihn unter anderem, wie er mit seiner sanften Stimme und seinem gequält spöttischen Lächeln als Talkshow-Gast zwischen Malcolm X und Martin Luther King Jr. sitzt, die sich vor der Kamera nichts schenken.

„I Am Not Your Negro“ ist in den USA nicht nur gefeiert worden. LGBT-Aktivisten haben Peck vorgeworfen, er gehe in seinem Film unsensibel mit Baldwins Nicht-Heterosexualität um. Anders sollte man sie wohl nicht nennen, denn Baldwin selbst wies Zuschreibungen wie „homosexuell“ oder „bisexuell“ von sich. Er verstand, wie kaum ein anderer Beobachter seiner Zeit, die Macht der Begriffe, die von außen an Menschen herangetragen werden. Peck zitiert aus einem FBI-Vermerk von 1966: „Es gibt Gerüchte, Baldwin sei homosexuell, und er wirkt auch so.“

Sicher, es ist nicht unbedingt elegant, dass dieses Detail ausgerechnet durch eine FBI-Notiz in den Film kommt. Aber hätte Peck sie weggelassen, wäre womöglich der Eindruck entstanden, Baldwin sei heterosexuell gewesen. In den von Samuel L. Jackson (in der deutschen Synchronfassung von Samy Deluxe) gesprochenen Auszügen aus „Remember This House“ schwärmt er nämlich für schöne Frauen, genauer: weiße Frauen, Joan Crawford, und besonders seine Grundschullehrerin Bill Miller. Die nahm den Zehnjährigen unter ihre Fittiche und redete mit ihm „über die Welt“. Keine Spur von Rassismus hier, im Gegenteil: Baldwin betont, dass es ihm dank dieser Lehrerin, die für ihre Nähe zu schwarzen Schülern wiederum von Kolleginnen geschnitten wurde, nie gelungen sei, die Weißen als gesamte Rasse zu hassen. Mehr Komplexität bitte, mehr Interaktion zwischen einzelnen Individuen, scheint „I Am Not Your Negro“ letztlich zu fordern. Peck gelingt so ein doch sehr feinfühliges Porträt des Kämpfers James Baldwin, dessen Waffe unbedingt die Rhetorik war.

© Tous droits réservés Süddeutsche Zeitung. Fourni par Süddeutsche Zeitung Archiv.
31/03/2017
© Tous droits réservés Frankfurter Allgemeine Zeitung. Fourni par Frankfurter Allgemeine Zeitung Archiv
13/02/2017
© Tous droits réservés critic.de. Fourni par critic.de Archiv
A short history of the Civil Rights Movement
/ watchmojo.com
en / 02/02/2011 / 5‘52‘‘

James Baldwin discusses racism
/ The Dick Cavett Show
en / 23/07/2020 / 17‘08‘‘

Conversation with Raoul Peck
N.N. / TIFF
en / 12/09/2016 / 59‘54‘‘

James Baldwin on Civil Rights (1963)
N.N. / The History TV
en / 28/05/2014 / 30‘11‘‘

Feature
De Mallory Yu / NPR
en / 5‘36‘‘

Données du filmo

Genre
Documentaire
Durée
93 Min.
Langue originale
Anglais
Ratings
cccccccccc
ØVotre évaluation7,9/10
IMDB:
7,9 (18248)
Cinefile-User:
< 10 votes
Critiques :
< 3 votes

Casting & Equipe techniqueo

Samuel L. JacksonNarration (voice)
Dick CavettHimself
James BaldwinHimself
PLUS>

Bonuso

iVidéo
A short history of the Civil Rights Movement
watchmojo.com, en , 5‘52‘‘
s
James Baldwin discusses racism
The Dick Cavett Show, en , 17‘08‘‘
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Conversation with Raoul Peck
TIFF, en , 59‘54‘‘
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James Baldwin on Civil Rights (1963)
The History TV, en , 30‘11‘‘
s
gPresse écrite
Critique Time Magazine
Stephanie Zacharek
s
Background: Black Films Matter
The Guardian / Steve Rose
s
Critique Süddeutsche Zeitung
Jan Kedves
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Critique Frankfurter Allgemeine Zeitung
Verena Lueken
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Critique critic.de
Nino Klingler
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hAudio
Feature
NPR / en / 5‘36‘‘
s
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