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Grace Jones: Bloodlight and Bami

Sophie Fiennes, Irlande, GB, 2017o

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Pendant dix ans, la réalisatrice britannique Sophie Fiennes a suivi Grace Jones, actrice, chanteuse et mannequin : lors d'une visite à sa famille en Jamaïque, durant l'enregistrement de son album Hurricane, sorti en 2008 ou pendant une séance photo en compagnie de Jean-Paul Goude, dont elle a été la muse à partir de la fin des années 1970 et avec qui elle a eu un fils.

Sophie Fiennes, die den Philosophen Slavoj Žižek in «The Pervert’s Guide to Cinema» über die Kinogeschichte referieren liess, erzählt ganz ohne Offstimmen und Expertenmeinungen die Geschichte der 69-jährigen Jones. Entstanden ist ein Porträt einer Figur, die besonders bei Musikaufnahmen eine atemraubende Wucht entfaltet.

Benedikt Sartorius

Grace Jones ernährt sich nur von Champagner und Austern, sie sieht mit knapp 70 noch aus wie 30, brüllt am Telefon ihren Manager an, küsst im Krankenhaus ihre neugeborene Enkelin, arbeitet im Studio auf Jamaika (wo sie geboren wurde) an den derbsten Reggae-Grooves, die man sich vorstellen kann, und lässt auf der Bühne in Dublin zu ihrem ewigen Hit "Slave To The Rhythm" den Hula-Hoop-Reifen kreisen. Diese Doku von Sophie Fiennes erklärt nichts, alles erklärt sich von selbst. Eine wunderbare Meditation über das sehr private Leben einer Pop-Ikone und deren Inszenierungen.

Jan Kedves

Galerie photoso

Télérama, 23/04/2018

De Eléonore Colin 

© Tous droits réservés Télérama. Fourni par Télérama Archiv
The New York Times, 11/04/2018

De Wesley Morris 

© Tous droits réservés The New York Times. Fourni par The New York Times Archiv
27/10/2017
Grace Jones, die ewige Diva

Sängerin und Model Grace Jones war immer eine Ausnahmeerscheinung. Der Film, den Sophie Fiennes über sie gemacht hat, ist eine Sensation.

De Jan Kedves 

Viel zu viele Große des Pop sind in letzter Zeit gestorben. Prince, George Michael, Chuck Berry, Tom Petty, am Mittwoch auch noch Fats Domino. Inzwischen ist man so weit, dass man schon den kleinsten Mucks einer nicht mehr ganz jungen Pop-Ikone als Ausdruck eisernen Überlebenswillens bewundern will. Womit man Grace Jones allerdings Unrecht täte. Zum einen muss man sich um die Vitalitätswerte der 69-Jährigen wirklich keine Sorgen machen. Zum anderen ist Jones gerade selbst eine Trauernde.

Das war am Mittwochabend zu spüren, als die Sängerin in ihrer Wahlheimatstadt London zur Premiere des neuen Dokumentarfilms über sie selbst ins British Film Institute kam. Jones' Mutter Marjorie ist vor drei Wochen im Alter von 90 Jahren gestorben. Wie nah sich die beiden standen, ist vielleicht nur dem klar, der vor zwei Jahren Grace Jones' Autobiografie "I'll Never Write My Memoirs" las. Für Jones, den Familienmenschen, sind dies Wochen des Triumphs und der Trauer.

Ihren letzten Film hat Fiennes über den Philosophen Slavoj Žižek gedreht. Jetzt also: Grace

Triumph, weil der Film "Grace Jones: Bloodlight and Bami", den die britische Regisseurin Sophie Fiennes über sie gedreht hat, eine Sensation ist. In ihm sieht man, wie Jones' verstorbene Mutter im höchsten Gospel-Falsett für die Mitglieder einer verzückten Pfingstgemeinde singt. Der Film begleitet Grace Jones in ihre Heimat Jamaika, zu ihrer hochreligiösen Familie, zu alten Freunden und Nachbarn, und auch ins Studio, wo sie mit Sly & Robbie arbeitet, dem Bassisten und dem Schlagzeuger, mit denen sie schon in den Achtzigern Hits wie "Pull Up To The Bumper" und "My Jamaican Guy" aufnahm. Da ergibt sich der größtmögliche Kontrast zu jener Grace Jones, an die man sonst denkt: der Grimassen schneidenden New Wave Queen, die sich nur von Schampus, Austern und muskulösen Männern ernährt, die in Talkshows die Moderatoren verprügelt und in zackigen Issey-Miyake-Kostümen immer aussieht wie Besuch aus dem All.

In Deutschland ist die Regisseurin Sophie Fiennes vor allem für "The Pervert's Guide to Cinema" bekannt, eine Reise durch die Kinogeschichte mit dem Philosophen und Zeitanalytiker Slavoj Žižek, den sie dafür in ein Boot gesetzt hat. Sie ist eine feinfühlige Filmemacherin, die sich Jones in ihrem Film nicht als Jägerin nähert. Beide haben jeweils fünf Geschwister (bei Fiennes gehören die berühmten Schauspieler Joseph und Ralph dazu), so etwas verbindet. Sie lernten sich kennen, als Fiennes einen Dokumentarfilm über Grace Jones' Bruder Noel drehte, der in Kalifornien der bekannte Bischof einer Pfingstgemeinde ist. Jones mochte die Britin, fragte sie, ob sie sie mit der Kamera begleiten wolle. Es gab keine Produktionsfirma, kein Skript, keinen Vertrieb. Die Dreharbeiten dauerten über zehn Jahre.

Das Ergebnis ist eine wunderbare Meditation über das Popstar-Leben, ohne Off-Kommentare und die üblichen Zeitzeugen, die in Dokus immer alles zerreden müssen. Dass "Bloodlight and Bami" bislang keinen Kino-Starttermin in Deutschland hat, müsste eigentlich ein Skandal sein. Man hat schon lange keinen Film mehr gesehen, der einen berühmten Musiker so gut erklärt, ohne überhaupt irgendetwas zu erklären.

Es ergibt sich alles aus der Kombination: Grace Jones, wie sie mit der legendären Rhythmus-Sektion Sly & Robbie in Jamaika im Studio steht und - nach allerhand Gebettel und Diskussion - endlich am "Heavy Bottom" arbeitet, dem sprichwörtlichen fetten musikalischen Hintern aus Reggae-Beats, Hall, Bass und mehrdeutigen Texten. Er machte auch die Songs auf Grace Jones' jüngstem Album "Hurricane" (2008) wieder so verdammt sexy.

"Warum muss ich es immer am schwersten haben?!"

Oder: Jones, wie sie mit schmerzverzerrtem Gesicht störrische Austern aufsperrt und flucht, dass sie auch gerne so eine enge Vagina hätte. Jones, wie sie ihren Manager am Telefon zur Sau macht, weil ein Veranstalter den Vertrag nicht unterschrieben hat. Oder Jones, wie sie in Jamaika in der Dämmerung in einer Lagune schwimmt. Das Wasser dunkelgrün, ihr Kopf verschwindet fast im Flimmern, unheimliche Stille.

Kürzlich antwortete Jones im Interview mit dem Guardian auf die Frage, was das Altern für sie bedeute, für sie gebe es keine Zeit, nur Raum. Das hier ist so ein Moment: schwebend im endlosen Wasser. Auf dessen Wirkung führt Grace Jones im Übrigen auch ihre Faltenfreiheit zurück.

Für den Star und die Regisseurin gab es im British Film Institute Ovationen. Es folgte noch eine Fragerunde im Kreis von Freunden. Wobei: Wer auch immer auf die Idee kam, den Kurator der Serpentine Gallery, Hans Ulrich Obrist, dazuzusetzen, muss wenig Sinn für Pietät gehabt haben. Er bombardierte Jones, obwohl sie deutlich von der Trauer um ihre Mutter gezeichnet war und hin und wieder ihre glasigen Augen unter der gehörnten schwarzen Schleiermaske lüftete, mit seichten Fragen, unter anderem zur Mode. Jones stöhnte auf: "Warum muss ich es immer am schwersten haben?!" Womit sie aber auch zu einem Gleichnis überleitete: Ihre Mutter Marjorie, die auch Schneiderin war, habe den Kindern immer Kleider zum Nähen gegeben, erzählte sie. Und sie, Grace, habe immer die schwierigste Stelle bekommen, weil sie von den Geschwistern am besten nähen konnte. Die unter dem Ärmel, also die Achselhöhle. "Da laufen alle Nähte zusammen, und wenn nur mit einer etwas nicht stimmt, dann kann man wieder von vorne anfangen", sagte Grace Jones.

Ihr Hut, der gleichzeitig eine Discokugel ist

Damit lieferte sie freilich auch ein sehr schönes Bild für ihre Kunst und ihre Karriere. Es wirkt im Film so einfach und mühelos, wenn Grace Jones mit den Hüften kreist und ihren Hut, der gleichzeitig eine Discokugel ist, mit neongrünem Laserlicht beschießen lässt. Oder wie sie eine Treppe hinauf- und wieder hinabsteigt und dabei Brunftlaute ins Mikro stößt. All dies sind ihre Nähte - Licht, Pose, Kostüm, Sound, Stimme. Die finden bei ihr immer wieder zu einer grandiosen Performance zusammen.

Und weil eine weitere Naht bei Grace Jones auch immer die Belieferung des Boulevards mit verrückten Sprüchen war, und weil es derer an dem Abend wohl noch nicht genügend gegeben hatte, sagte sie ganz am Ende noch, dass sie Sophie Fiennes gerne lecken würde.

© Tous droits réservés Süddeutsche Zeitung. Fourni par Süddeutsche Zeitung Archiv
18/05/2018
Die Göttin als Menschin

Heißkalt ist die Geschlechtergrenze: Die Performerin Grace Jones wird siebzig und sucht im Fach Selbstdarstellung bis heute ihresgleichen.

De Rose-Maria Gropp 

Lange bevor Cross-Gender in allen Variationen akut wurde, war Grace Jones da. Eine Erscheinung war sie – und ist sie. Seit vier Jahrzehnten rauscht sie in ihren Maskeraden durch das Wahrnehmungsuniversum, zu entgehen war ihr seit den Siebzigern nicht. Und nichts hat sie ausgelassen dabei, um die Spielarten ihrer Exzentrik vorzuführen.

Auch nicht, ein bemerkenswerter Höhepunkt, das sechzigste Thronjubiläum von Königin ElisabethII., als sie viereinhalb Minuten lang in einer schwarzroten postfuturistischen Korsage, halb Bunny, halb entgleiste Zofe, auf der Bühne vor dem Buckingham-Palast „Slave to the Rhythm“ aufführte, die ganze Zeit einen Hula-Hoop-Reifen um die Hüften kreisen lassend. Am Ende ruft sie: „We love you. Happy birthday to our queen!“ Eine Königin der Nacht grüßt die Monarchin der Tagwelt. Was sich die Queen unter dem Jubel ihres Volks wohl gedacht haben mag angesichts dieser wie aus „Metropolis“ entsprungenen Virago? Da war Grace Jones, geboren 1948 in Spanish Town auf Jamaika, auch schon vierundsechzig Jahre alt.

Die Erschaffung der persona Grace Jones muss, nicht zuletzt, harte Arbeit gewesen sein. Die extravagante Schönheit ihres Gesichts und ihres Körpers hatte sie auf ihrer Seite wie ihr Temperament, das auch Prügel in einer Kindheit nicht domestizieren konnten, die zugleich tiefreligiös geprägt war. Eher sind das Prädestinationen zur Domina gewesen. Dazu kommt ihre Begabung für exzessive Selbstdarstellung, die bis heute ihresgleichen nicht kennt. Sie suchte und fand Leute, die damit etwas anzufangen wussten, früh in der Entourage von Andy Warhol mit seinen „Superstars“, im New Yorker Club „Studio54“. Von dort startet sie durch, dann unterstützt von dem französischen Werbedesigner Jean-Paul Goude, der auch der Vater ihres Sohns Paulo ist. Mit Goudes Hilfe inszeniert sie sich in den unerhörten Kostümierungen eines Geschöpfs, das mutwillig alle Regeln bricht, zuvörderst die der Geschlechtergrenzen.

Person vom anderen Stern

Goude ist es auch, der 1985 den Werbespot für Citroën mit ihr dreht, und den CX2 aus ihrem riesig über der Wüste aufragenden Kopf rasen lässt. Das ist Fanal einer unterkühlten Ästhetik, die unkaschiert mit Elementen des Cyborg spielt; Grace Jones wird ihre Protagonistin. Als Frau-Mann-Maschine – bis hin zur unverkennbaren Stimme – wird sie seit Anfang der Achtziger in ihren Songs und Auftritten zum Fetisch einer offensiven Androgynität. Ihre Alben „Warm Leatherette“ und „Nightclubbing“ machen sie zur goddess ungesättigter Phantasien in einer übersatten Konsumgesellschaft, nicht nur für die gay community. Als Schauspielerin kann sie das in Filmen wie „Conan der Zerstörer“ neben Arnold Schwarzenegger ausleben und 1985 in dem James Bond „Im Angesicht des Todes“. Dort rettet sie als „May Day“, als fleischgewordener Notruf, im letzten Moment Bonds Leben und bezahlt mit dem eigenen Tod – humanes Regen der animalischen Killerfrau.

Es sind solche Bilder von Grace Jones, von den diversen Plateaus ihrer Performances, die sie bis in die Gegenwart konserviert. Mit dem Album „Hurricane“ konnte sie 2008 noch einmal musikalisch anschließen an die frühen Jahre, zu ihren Musikern gehörte auch Brian Eno. Im Herbst 2017 kam die Dokumentation „Bloodlight and Bami“ in die Kinos, für die sie die Regisseurin Sophie Fiennes über Jahre immer wieder begleitet hatte. Fiennes holt die Person vom anderen Stern auf die Erde zurück – Grace Jones als Menschin. Heute wird sie, ohne die, neben anderen großen Zwielichtgestalten wie David Bowie oder Iggy Pop, die Achtziger so viel leerer und öder gewesen wären, siebzig Jahre alt.

© Tous droits réservés Frankfurter Allgemeine Zeitung. Fourni par Frankfurter Allgemeine Zeitung Archiv
Q&A with director Sophie Fiennes & Grace Jones
Piotr Orlov / Film Society of Lincoln Center
en / 22/04/2018 / 26‘32‘‘

Grace Jones - Love Is The Drug
Grace Jones / Vevo
en / 17/08/2010 / 3‘49‘‘

Grace Jones - Pull Up To The Bumper
Grace Jones / Vevo
en / 24/08/2010 / 3‘58‘‘

Interview with Grace Jones
De Kelly McEvers / National Public Radio
en / 7‘59‘‘

Données du filmo

Genre
Documentaire
Durée
115 Min.
Langue originale
Anglais
Critiques
cccccccccc
IMDb6,1/10

Casting & Equipe techniqueo

Grace JonesHerself
Sophie FiennesRéalisateurs

Bonuso

iVidéo
Q&A with director Sophie Fiennes & Grace Jones
Film Society of Lincoln Center, en , 26‘32‘‘
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Grace Jones - Love Is The Drug
Vevo, en , 3‘49‘‘
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Grace Jones - Pull Up To The Bumper
Vevo, en , 3‘58‘‘
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gPresse écrite
Critique Télérama
Eléonore Colin
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Critique The New York Times
Wesley Morris
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Critique Süddeutsche Zeitung
Jan Kedves
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Porträt: Grace Jones
Frankfurter Allgemeine Zeitung / Rose-Maria Gropp
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hAudio
Interview with Grace Jones
National Public Radio / en / 7‘59‘‘
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