The Third Murder
Hirokazu Koreeda, Japon, 2017o
Shigemori est un avocat commis d'office, chargé de défendre Misumi, suspecté de vol et de meurtre. Ce dernier a déjà fait 30 ans de prison et les chances de gagner le procès sont minces, d'autant que Misumi a avoué son crime. Pourtant, au fil de son enquête, Shigemori commence à douter de la culpabilité de son client.
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Hirokazu Kore-eda gewann gerade die Goldene Palme in Cannes. Er ist bekannt für Familiendramen. Mit «The Third Murder» drehte er aber einen Krimi.
Von hinten pirscht er sich heran, erschlägt den Mann und verbrennt dessen Leiche. Im Schein des Feuers sehen wir den grossen Kopf des Mörders, seine schönen Gesichtszüge und denken: «Den kennen wir doch!»
Ja, den Mörder spielt Koji Yakusho, den wir 1996 in «Shall We Dansu?» liebgewonnen haben als trübseligen Buchhalter, der beim Tanzen die Lebensfreude entdeckt. Yakusho wirkt zum ersten Mal in einem Film von Regisseur Hirokazu Kore-eda mit. Masahuru Fukuyama dagegen, der hier den Anwalt Shigemori verkörpert, war schon in Kore-edas Vertauschte-Babys-Geschichte «Like Father, Like Son» (2013) mit dabei.
Geschichten von Vätern und Söhnen oder von Kindern, die allein in einer Wohnung leben («Nobody Knows»), haben Kore-eda berühmt gemacht; letzte Woche gewann er für das Familiendrama «Shoplifters» die Goldene Palme in Cannes. Aber «The Third Murder» ist etwas ganz anderes: ein Film über einen Mordfall und das anschliessende Gerichtsverfahren, gedreht in Cinemascope.
Der Anwalt Shigemori vertritt den Mörder Misumi, der wegen eines Doppelmords bereits dreissig Jahre abgesessen hat. Also ein hartgesottener Krimineller? Aber warum ist der Mann so ungemein sympathisch? Und was hat es zu bedeuten, dass er mit der Tochter seines Opfers befreundet ist, die sagt, ihr Vater habe sie sexuell missbraucht? Kann es sein, dass Misumi mit der Frau des Opfers eine Affäre hatte? Und warum wurde ihm ein grösserer Geldbetrag überwiesen, und von wem?
Im Zentrum steht die Frage: Gibt es Menschen, die besser nie geboren worden wären? Shigemori erörtert sie mit Kollegen, aber auch mit seinem Mandanten. Der macht dem Anwalt seine Aufgabe dadurch schwer, dass er immer neue Versionen des Tathergangs auftischt. Und dabei wäre es wichtig, eine Taktik festzulegen, um Misumi vor einem Todesurteil zu bewahren.
Immer wieder arbeiten Kore-eda und sein Kameramann mit Spiegelungen: So überlagern sich bei Gesprächen von Anwalt und Angeklagtem deren Gesichter. Spiegelungen gibt es aber auch in den Beziehungen: Nicht nur das Opfer hat eine Tochter, auch Misumi hat eine und Shigemori, doch gute Väter sind sie alle nicht. So ist «The Third Murder» zwar ein Kriminalfilm, aber die klassischen Kore-eda-Themen schlagen oftmals durch.