Lost in Translation

Sofia Coppola, USA, Japon, 2003o

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vretour

Bob Harris, acteur sur le déclin, se rend à Tokyo pour tourner un spot publicitaire. Il a conscience qu'il se trompe - il devrait être chez lui avec sa famille, jouer au théâtre ou encore chercher un rôle dans un film -, mais il a besoin d'argent. Du haut de son hôtel de luxe, il contemple la ville, mais ne voit rien. Il est ailleurs, détaché de tout, incapable de s'intégrer à la réalité qui l'entoure, incapable également de dormir à cause du décalage horaire. Dans ce même établissement, Charlotte, une jeune Américaine fraîchement diplômée, accompagne son mari, photographe de mode.

La drôlerie et l'élégance de sa mise en scène, cette touche singulière qui lui permet de suggérer un maximum de choses en un minimum de mots, sa prédilection pour un pastel esthétique tout cela fait de Sofia Coppola bien plus qu'une fille à papa, une cinéaste à part entière, c'est-à-dire quelqu'un qui sait faire corps avec son temps.

Florence Colombani

Le film aurait pu se passer sur une plage des Seychelles ou sur une gondole vénitienne. Nous nous serions satisfaits de n'importe quel cliché, tant Sofia Coppola est apte à tout régénérer ce film-là, radieux, retenu et remuant marque une date dans l'histoire personnelle de celui qui l'a vu.

Marine Landrot

A comedy of dislocation framing a love story bound up in an expression of existential melancholy, Sofia Coppola's film is a deft, manifold delight. Johansson again impresses as an old head on young shoulders, but it's Murray's infinitely modulated performance that underpins the film. Riffing on his own image, he gives a sweet-sad study of a man lost inside himself, resigned to the likelihood that it's for life. [..] So far as the central relationship goes, the film is almost European in its subtlety and nuance. Cinematic cherry blossom.

N.N.

Leise Tragikomödie über Gleichgültigkeit und die Flüchtigkeit des Daseins; ein nuanciertes Kammerspiel, das nicht nur in der verhaltenen Annäherung seiner Protagonisten eine feine Mitte wahrt, sondern auch den fremden Spiegel des zeitgenössischen Japan als irreal-verträumten und zugleich tief emotionalen Widerschein einer metaphysischen Verlorenheit nutzt.

Rüdiger Suchsland

Coppola hat ein großes Talent, die traurigsten Momente komisch zu brechen, die witzigsten mit einem Unterton von Melancholie zu inszenieren. Bob wird Charlotte etwas ins Ohr flüstern zum Abschied, etwas Tröstliches, das ist in ihrem Gesicht zu lesen, aber was es ist, behalten die beiden für sich. Am Ende sind diese beiden Figuren so real, dass man ihnen ihr Geheimnis zugesteht.

Susan Vahabzadeh

Galerie photoso

Variety, 07/04/2020
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Japan Guide, 07/04/2020
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07/01/2004
In einem Satz mitten ins Leben

Tokio kann sehr unkommunikativ sein – in Sofia Coppolas Film Lost in Translation

De Susan Vahabzadeh 

Die Welt, behaupten wir gerne, sei kleiner geworden im modernen Zeitalter der totalen Erreichbarkeit. In Wirklichkeit sind die technischen Möglichkeiten der Kommunikation noch keine Garantie für Kontakt. Was manchmal komisch ist und manchmal traurig, wie alles in diesem Film, Sofia Coppolas Lost in Translation: Charlotte ist in Tokio, in einem Hotelzimmer mit Fax und Telefon und allem Drum und Dran, nur nützt das nichts – schon im Zimmer selbst ist alles da, aber man sieht den Dingen an, dass sie zu niemandem gehören. Charlotte fühlt sich verloren, also ruft sie zu Hause an, ein schreckliches Dokument der gescheiterten Kommunikation: Es beweist nur, dass sie keine Verbindung hat, mit niemandem. Sie spricht in den Hörer, will darüber reden, wie entfremdet sie sich der Welt im Allgemeinen und ihrem Ehemann im Besonderen fühlt, aber die Frauenstimme am anderen Ende antwortet nur Nonsens, hört ihr einfach nicht zu. Charlotte ist allein unter Menschen.

Sofia Coppola, Francis Fords Tochter, hat mit ihrem zweiten Film ihr Publikum im Sturm genommen – erst in Venedig, dann in den USA, wo sie inzwischen eine Reihe von Preisen bekommen hat und für den Oscar im Gespräch ist. Im ersten Film The Virgin Suicides, überwog mysteriöse Melancholie; Lost in Translation ist nun eine melancholische Komödie, und besonders den unglücklichen Kommunikationsversuchen ihrer Charaktere gewinnt Coppola ein paar sehr, sehr lustige Szenen ab.

Bob (Bill Murray), ein alternder Hollywood-Schauspieler, ist nach Tokio gekommen, um einen Werbespot zu drehen; Charlotte (Scarlett Johansson) begleitet ihren Mann, der Fotograf ist. Noch absurder als die kläglichen Gesprächssurrogate, die die beiden mit ihren jeweiligen Ehepartnern führen, ist das Aufeinanderprallen von Amerikanern und Japanern. Das ist immer gut für einen Gag – John Irving hat dem Thema ein paar hübsche Seiten abgewinnen können in Die vierte Hand, und hier funktioniert die Sache ähnlich. Oder besser: Funktioniert eben nicht. Der unerwünschte Besuch einer Prostituierten in Bobs Zimmer gerät zu einer wilden Slapstick-Nummer. Von den ellenlangen Regieanweisungen gibt die Übersetzerin immer nur einen Satz weiter. Und die Szenen der Hilflosigkeit, mit der Bob den japanischen Höflichkeiten begegnet, sind wie gemacht für den großen, lieben Kerl Bill Murray.

Aber eigentlich geht es um einen Flirt, die zarte Romanze zwischen den beiden Verlorenen, aus der nichts werden kann, weil sie nicht übersetzbar wäre in den Alltag. Charlotte ist noch auf der Suche nach ihrem Weg, Bobs Leben ist längst eingerichtet, mit Frau und Kindern und Karriere und Möbeln, und leider auch mit Teppichen: Die Muster für seine neue Büroauslegware schickt Bobs Frau per Fax ihm bis nach Tokio hinterher. Noch ein Beispiel für gescheiterte Kommunikation: Selbst wenn er die verschiedenen Rottöne auseinanderhalten könnte, würde es ihn nicht interessieren.

Es beginnt von hinten

Der Film beginnt mit einer lustvollen Ansicht von Charlottes Kehrseite, in einem rosa Höschen, und diese Einstellung verrät schon ein bisschen von dem Geist, in dem Sofia Coppola ihre Geschichte erzählt: unbefangen und sinnlich, auf ihre ganz eigene Weise. Sie hat sich ein weit verbreitetes Phänomen vorgenommen, die Anziehungskraft zwischen einem Mann und einer Frau, die seine Tochter sein könnte, und das Schöne daran ist, dass sie davon so erzählt, wie Charlotte die Welt in manchen Szenen ansieht: Unvoreingenommen, mit schief gelegtem Kopf, neugierig, ohne jede Aggression. Die Geschichte anzusehen aus ihrer Perspektive, macht so viel Spaß, weil sie so ziemlich in jedem Detail stimmt.

Charlotte muss erst noch herausfinden, wer sie eigentlich ist, was sie mit ihrem Uniabschluss anzufangen gedenkt und welche Art von Beziehung ihr gut tut. Sie fühlt sich zu Bob hingezogen, zunächst weil er der einzige Mensch auf weiter Flur ist, der sie versteht – und ihr tatsächlich zuhört. Dann finden die beiden heraus, dass sie tatsächlich verwandte Seelen sind, in kurzer Zeit eine Nähe herstellen können, die manche Menschen in Jahren nicht hinbekommen. So was passiert immer nur auf Reisen – Beziehungen im Zeitraffer, so als würden die besonderen Umstände, das Gefühl, auf einer bewohnten, aber fremden Insel zu sein, die Dinge beschleunigen, kondensieren, auf das Wesentliche reduzieren. Das Wesentliche in dieser Geschichte ist sinnlich, kommt aber ohne Sex aus. Das gibt es im Kino gar nicht mehr oft. Im richtigen Leben aber schon. Nur erzählt das Kino nicht gern von den Beschränkungen, die einem die Wirklichkeit auferlegt. Sofia Coppola hat es aber geschafft, diesen Beschränkungen Magie abzugewinnen.

Das Geheimnis besteht darin, dass nichts passiert. Was am deutlichsten wird in jener Sequenz, die am schnellsten geschnitten ist, am schrillsten klingt, am meisten Aktion vorgaukelt – Charlotte und Bob ziehen nachts durch die Clubs, fliegen aus einer Bar, rennen durch die Stadt. Aber gerade diesen Szenen wohnt eine seltsame Stille und ein Stillstand inne: Man hört die zwei fast nie reden, was nichts macht, denn die Dinge, die man in solchen Nächten sagt, sind belanglos. Genauso belanglos sind die Dinge, die geschehen: harmloser Spaß, sie genießen die Nacht, lassen sich treiben, aber sie treiben nichts voran.

Lost in Translation lebt in weiten Teilen von Sofia Coppolas Gespür für Räume und Musik und vor allem davon, dass sie sich völlig in ihren Charakteren verliert. Sie hat, sagt sie, die Rolle für Murray geschrieben, und sie passt ihm tatsächlich wie maßgeschneidert. Er spielt Bob als müden, traurigen Komiker, einen Kerl, der auf einer Bühne noch mal loslegen könnte, aber keine Lust hat, und nur den sanften Sarkasmus herauslässt, der ihn vor der totalen Depression rettet. «Du hast bloß eine Midlife-Crisis», sagt Charlotte keck. «Hast du dir schon einen Porsche gekauft?»

Coppola hat ein großes Talent, die traurigsten Momente komisch zu brechen, die witzigsten mit einem Unterton von Melancholie zu inszenieren. Bob wird Charlotte etwas ins Ohr flüstern zum Abschied, etwas Tröstliches, das ist in ihrem Gesicht zu lesen, aber was es ist, behalten die beiden für sich. Am Ende sind diese beiden Figuren so real, dass man ihnen ihr Geheimnis zugesteht.

Wie bei derartigen Produktionen üblich, war die Entstehung schwierig. Regisseurin Sofia Coppola und ihr Produzent Ross Katz mussten eine lange Reihe von Geldgebern abklappern, um das Budget aufzutreiben. Denn die Geschichte schien auf den ersten Blick nur für Vielflieger und Japan-Liebhaber interessant: In einem Tokioter Hotel lernt eine vereinsamte Ehefrau einen angejahrten Hollywood-Star kennen, der sich mit japanischen Werbespots ein Zubrot verdient. Gemeinsam tauchen die Amerikaner in den bizarren Kosmos der Metropole ein und entdecken dabei ihre Seelenverwandtschaft.

Bei der Vorbereitung ihres Projekts beging die Regisseurin beinah kreatives Harakiri: Denn die männliche Hauptrolle hatte sie ausschließlich für Bill Murray angelegt. Der 53-jährige Komödien-Star (Und täglich grüßt das Murmeltier), der sich in den vergangenen Jahren eher auf Kunstkino wie Die Royal Tenenbaums konzentrierte, ist selbst für seine Agenten nur schwer zu erreichen. Als seine Partnerin wurde die 18-jährige Scarlett Johannsson engagiert. In Japan warteten mehr Probleme: «Wie sollten wir diesen Film innerhalb von 27 Tagen in den Kasten kriegen?», so Produzent Katz. Die Lösung war hektisches Drehtempo. Sofia Coppola und ihr Kameramann Lance Acord kannten die Metropole und konnten spontan agieren. Manche Szenen wurden mit einer drei- bis vierköpfigen Mini-Crew gefilmt. Anstatt Statisten anzuheuern, drehte man lieber mit realen Passanten. «Ich wollte den Eindruck, als würde man in der Stadt umherlaufen und Schnappschüsse machen», sagt Coppola. Nach einem langen Nachtdreh an einem Pool wollte die Aufpasserin die Crew davonjagen. Doch Bill Murray – im Bademantel – hob die Frau einfach hoch und legte sie sich über die Schulter. Danach gab es keine Probleme mehr.. Fast keine.

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06/01/2004
Unübertragbar

Sofia Coppola über Väter, Action und Affären

De Susan Vahabzadeh 

Sofia Coppola, 1971 in New York geboren, hat früh angefangen mit der Arbeit beim Film: als schauspielerndes Baby im „Der Pate”. Mit 18 hat sie zusammen mit Vater Francis Ford Coppola das Drehbuch zu dessen Episode in „New York Stories” geschrieben, und 1999 kam der erste eigene Spielfilm: „The Virgin Suicides”, über ein mysteriöses Schwesternquintett, war genug, um sie als Filmemacherin zu etablieren. Der zweite Film, „Lost in Translation”, in Venedig uraufgeführt, hat ihr in den USA bereits einige Kritikerpreise eingebracht und hat, obwohl unabhängig produziert, Chancen, die eine oder andere Oscarnominierung zu bekommen.

SZ: Können Sie das Gefühl der Isolation auf Reisen selbst nachempfinden?

Coppola: Nicht in Europa, aber in Asien schon. Ich habe mich noch nie im Leben so weit entfernt gefühlt von zuhause wie in Tokio. Nichts kam mir dort vertraut vor – was aber auch wieder aufregend ist, und anregend. Ich habe aber tatsächlich einige Freunde, die dort leben – auf die Art bekommt man mehr mit.

Haben Sie das Drehbuch dort geschrieben?

Ich habe das meiste zuhause in Los Angeles geschrieben, aber ich bin hingefahren, um ein bisschen Inspiration zu finden. Im Prinzip war ich oft genug in diesem Hotel – und die Sängerin in der Bar ist übrigens die echte Sängerin.

Die Musik ist ziemlich wichtig im Film – und ein paar Stücke stehen schon im Drehbuch. Schreiben Sie an der Musik entlang?

Manchmal schreibe ich die Stücke schon rein, manchmal versetzen einen Songs ja in eine Stimmung zurück. Es sind Songs, die habe ich gehört, als ich jünger war. Ich habe teilweise Situationen und Leute verwendet, die ich kenne, so was wie die Party in der Nacht. Aber ich wollte vor allem einen romantischen Dreh, nach den „Virgin Suicides”. Ich wollte etwas machen über diesen Mann in Tokio, mit seiner Midlife-Crisis.

Man sollte meinen, dass Sie sich eher mit der jungen Frau identifizieren konnten – oder hatten Sie nie Zweifel daran, was aus Ihnen werden soll?

Doch, klar. Ich habe aber nie gedacht, dass ich darüber einen Film machen will. Ich wollte von einem Mann in mittleren Jahren erzählen. Aber ich weiß schon, wie es sich anfühlt, in dem Alter zu sein und nicht zu wissen, was man eigentlich mit sich anfangen soll. Das macht doch jeder durch.

Sie haben mit dem Filmemachen so früh angefangen, dass die Phase nicht lang gedauert haben kann.

Doch, ich war total frustriert! Ich habe mir große Gedanken gemacht, ob ich nicht mit fünfzig aufwache und denke: Gott, ich hätte Bildhauerin werden sollen, oder so. Ich kenne Leute, die so sind. Ich habe mich Anfang zwanzig für alles mögliche interessiert, nur hatte ich das Gefühl, dass ich in nichts davon wirklich gut bin. Ich hatte auch nicht die Geduld, mich in etwas richtig hineinzuknien. Und dann habe ich einen Kurzfilm gemacht, und das hat mir gut gefallen.

Hat es Ihnen nicht gerade Angst gemacht, dass der Rest der Familie im selben Beruf arbeitet?

Nein. Ich glaube, wir sind nicht scharf genug auf Wettbewerb. Es war ja auch nur ein Kurzfilm, da ist der Druck nicht so groß.

Ihr Bruder ist auch Regisseur und hat bei Lost in Translation die Second Unit übernommen.

Mein Bruder und ich waren nie in einem Wettstreit. Mir gefällt, was er macht. Ich hatte aber nie Angst, er könnte besser sein als ich.

Und Ihr Vater? Der ist Ihr Produzent – und man hat es ja als Erwachsener nicht gern, wenn einem die Eltern sagen, was man tun soll.

Mag ich auch nicht besonders. Wenn er mir Vorschläge macht, hör ich manchmal auf ihn. Und manchmal nicht. Man kann einen Film nun mal auf sehr viele verschiedene Arten gut drehen. Er unterstützt mich sehr, aber manche Sachen kann er in seinen eigenen Filmen machen. Ich habe viel von ihm gelernt, aber wir sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Manches von seiner Arbeit mit Schauspielern, mit Method Acting, habe ich aber übernommen.

In Venedig, wo Lost in Translation uraufgeführt wurde, schienen Liebesgeschichten zwischen alten Männern und jungen Frauen das große Thema gewesen zu sein . . .

Das sind sie doch immer. Waren das französische Filme?

Nicht alle! Aber in der Häufung kann man dann sehr gut sehen, wie anders Sie diese Geschichte erzählen. Romanzen, die nicht mit Sex enden, sind im Kino selten geworden.

Wahrscheinlich ist das etwas altmodisch.

Oder bloß eine Frauensicht – es passiert im richtigen Leben doch oft genug, dass sich zwei Menschen anziehend finden, aber es wird nichts draus, zum Beispiel wegen des Altersunterschieds.

Manchmal fühlt man sich eben zu den falschen Leuten hingezogen, und dann muss man sich entscheiden, ob man trotzdem eine Affäre hat oder es lieber lässt. Bill Murray hat die Geschichte sofort verstanden, und der ist ja auch ein Mann.

Klar verstehen Männer solche Geschichte – sie passieren ja immer zugleich auch einem Mann, wenn sie einer Frau passieren.

Vielleicht erzählen Männer solche Geschichten einfach nicht – sie sind mehr auf Action aus. Ich weiß nicht, vielleicht fällt es einer Frau leichter, das so zu erzählen. Ich wollte den Film so machen, dass sich Frauen und Männer gleichermaßen darin wiederfinden.

Es gibt im Buch eine Szene, die im Film nicht mehr vorkommt – Charlotte schaut sich erotische Fotos von Schulmädchen an. Der Film scheint sich aber auch ohne diese Szene bewusst zu sein, dass das Interesse alter Männer an jungen Mädchen irgendwie merkwürdig ist.

Ja, sie schaut sich die Bilder an und versteht nicht so richtig, was daran sexy sein soll . . . Und gleichzeitig sucht sie nach Hinweisen, was für eine Art Frau sie denn sein soll. Ich habe die Szene rausgeschnitten, weil ich fand, das genug Szenen dieser Art drin sind. Ich tue sie wieder rein für die DVD-Version.

Kein feministischer Ansatz?

Das war was für meine Mutter, ich fand, für mich sei das alles schon gerichtet. Ich denke nicht über irgendeinen Unterschied nach, ich versuche, meine Sache so durchzuziehen, wie ein Mann es tun würde.

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02/01/2004
Am Ziel

Allein in der Fremde erwischt dich die Erkenntnis. Eine Würdigung des Hotelfilms. Aus Anlass von Sofia Coppolas Meisterwerk Lost in Translation.

De Tobias Kniebe 

Draußen, jenseits der Taxifenster, lauert die Welt. Sie ist: Unüberschaubar. Furcht einflößend. Fremd. Weil es Nacht ist, siehst du nur Straßen, Fassaden, Neonlichter. Dahinter muss Chaos sein. Acht Millionen Menschen auf so engem Raum. Oder waren es sechzehn Millionen? Würde dich hier jemand aussetzen – du könntest kein Wort verstehen, kein Zeichen entziffern, keine Adresse benennen. Niemand würde dich, nach allen Gesetzen der Wahrscheinlichkeit, jemals wiederfinden. Der Taxifahrer, der dich fährt, er bekommt Geld dafür, dass er dich nicht einfach aussetzt, sondern auf eine Insel in dieser hellen Dunkelheit bringt, eine Insel, auf der man dich erwartet.

Der Taxifahrer ist dein Freund – das musst du glauben. Er bringt dich also, wie vereinbart, zum Park Hyatt in die Innenstadt. Du atmest auf, als das vertraute Logo in der Nacht erscheint, die rettende Insel erreicht ist, der Wagen in die Tiefgarage taucht. Dort unten stehen freundliche Menschen vor einer Tür, aus der goldenes Licht nach draußen fällt. Sie erwarten dich, sie sprechen deine Sprache, sie lächeln und verbeugen sich. Du bist, wieder einmal, davongekommen.

Der Beginn einer Reise ins Unbekannte, vielleicht der Beginn jeder Reise in eine fremde Welt. So wie Sofia Coppola diesen Anfang erzählt, ist sie es selbst, die reist – und du, der Zuschauer, bist es auch. Vor allem du. Du kommst tief in der Nacht in Tokio an. Der Mann, der für dich im Taxi sitzt, ist der Schauspielgigant Bill Murray – ein freundlicher Gigant, einer, der eigentlich gar nichts macht, außer die Welt auf sich wirken zu lassen. Diese Welt willst du nun gerne durch seine Augen sehen, sie sind dir, von allen denkbaren Augenpaaren, wahrscheinlich sogar die allerliebsten.

Lost in Translation läuft nächste Woche in den deutschen Kinos an, es ist ein sehr, sehr großer Film, ein Film, das kann man einfach so sagen, der bleiben wird. Auch ist er ein großer Hotelfilm. Der gültige Hotelfilm unserer Zeit. Das klingt nicht so spektakulär, wie es vielleicht klingen sollte, aber Hotelfilme sind schon ein echtes Genre für sich, wahre Meisterwerke gibt es darunter. Den Hotelfilm der Gegenwart zu schaffen, das ist keine geringe Leistung. Tiefe Verbeugung also vor Sofia Coppola, der Tochter des gewaltigen Francis Ford. Deren Erzählkunst wurde noch bei den Virgin Suicides verkannt, dabei war der Film mit der pinkfloydesken Dämmerungsmusik von Air ein Versprechen – das Miss Coppola nun einlöst.

Die Menschen vor der Tür mit dem goldenen Licht, sie geben dir Visitenkarten. Sie geleiten dich nach innen, wo auch alles grau, golden, teakholzbraun und honigfarben ist. So vertraut und amerikanisch einerseits, dass die Seele sich langsam entspannen kann. Und doch noch so japanisch, dass eine Ahnung davon bleibt, wo du hier bist. Das Licht, das immer ein paar Watt zu schwach erscheint, in allen Hotels der Welt: hier wird es durch Reispapier und Milchglas gefiltert, damit es den Augen auf keinen Fall wehtut.

Die Menschen geleiten dich zu deiner Suite, sie bewegen sich lautlos, sind freundlich und nicken ständig, du nickst auch. Etwas anstrengend, dieses Nicken, aber schließlich ist auch das vorbei. Die Tür fällt hinter dir zu, du lässt dich fallen. Dann, nach einer Verschnaufspause, beginnst du mit den üblichen Ritualen: Die weißen Schaumstoff-Hotelschlappen aus ihrer Plastikfolie befreien, zum Beispiel. Sie riechen derart nach Chemie, dass der Geruch in der Nase beißt.

Der Chemiegeruch, auch in der Bettwäsche, er steht für internationale, das heißt für amerikanische Standards der Sauberkeit. Was immer hier an Keimen unterwegs war, jetzt ist es tot. Du schlüpfst in den goldenen Kimono, der im Badezimmer hängt, ziehst die Schlappen an, schaust durch die erdbebensicher verfugten Riesenfenster auf die Lichter der Stadt, ganz tief unter dir. Dabei spürst du die warme, trockene Luft, die unter den Fenstern durch die Heizschlitze strömt. Sollte die fremde Atmosphäre dort draußen nicht zum Atmen geeignet sein, sollte dieser gottverlassene Planet überhaupt keine Atmosphäre haben – hier drinnen, im Raumschiff, würdest du nichts davon merken.

Du setzt dich auf’s Bett, faltest die Hände. Du fühlst dich geborgen. Und völlig verloren. Du fühlst dich sicher. Und völlig allein. Noch nie hast du dich so allein gefühlt wie jetzt.

So sitzt Bill Murray in Lost in Translation da. Sagten wir schon, dass dies ein großer Hotelfilm ist? Große Hotelfilme also. Einer der größten: L’Avventura von Michelangelo Antonioni, 1960, zu deutsch: Die mit der Liebe spielen. Gegen Ende, da ist das Abenteuer eigentlich längst vorbei, kommt ein unglaubliches Grand Hotel darin vor: Die Villa San Domenico in Taormina, Sizilien. Es liegt hoch über dem Meer, der Ausblick aus dem Fenster zeigt Wasser bis zum Horizont, in der Ferne sieht man die Spitze des Ätna.

Dieser Blick nimmt einem schon in Schwarzweiß den Atem. Davor Gabriele

Ferzetti und Monica Vitti, ein unglaublich schönes Paar, das trotz dieser Umgebung natürlich verloren ist – zwischen ihnen steht eine verschwundene Frau, die sie beide mal geliebt haben. Sie könnte tot sein, vielleicht hatte sie auch einfach von allem genug, man weiß es nicht. Irgendwann schleicht sich der Mann aus dem Zimmer, die langen Gänge entlang, da sieht man, dass das Hotel früher ein Kloster war. Im Salon sind viele Menschen, vielleicht ein Empfang. Der Mann tut so, als würde er dazugehören, bald wissen wir nicht mehr, wo er bleibt. Die Frau findet ihn in den frühen Morgenstunden, auf irgendeiner Couch des Salons, in den Armen einer Fremden.

Verlorenheit gehört zu den Hotelfilmen, auch zu den komischen: Jacques Tati scheitert in den großartigen Ferien des Monsieur Hulot ebenso an den Details seines Aufenthaltes in der französischen Fremde wie Bill Murray in Tokio scheitert. Tati kapituliert vor der Schwingtür im Restaurant, die immer «Balong, balong» macht, ein Klapp-Kanu faltet sich auf offener See über ihm zusammen, am Ende kräht eine dicke Frau, mit der er den ganzen Urlaub über kaum zu tun hatte: «Kommense uns doch mal in Düsseldorf besuchen!»

Eine Fremdheit im eigenen Leben, die einen so nur auf Reisen überfallen kann, eine Melancholie, die den Alleinreisenden so nur an der verregneten Côte d’Azur überkommt, oder im sturmumwehten Hilton Tower am Hyde Park, eine Anfälligkeit für sinnlose Kinobesuche oder Shoppingexzesse – oder eben für Bekanntschaften, wie sie nur auf einer schalldichten Insel im Chaos möglich scheint: diese furchtbar erkenntnisfördernde Einsamkeit ist, wenn es eine gibt, die Story von Lost in Translation.

Bill Murray spielt einen nicht mehr jungen Schauspieler, der für zwei Millionen Dollar ein paar Tage Whiskey-Werbung in Tokio macht, zwischen den Aufnahmen aber viel Zeit hat. Dann ist da Charlotte (dargestellt von der unglaublichen Scarlett Johansson), frisch verheiratet, die ihren hippen Fotografen-Ehemann bei einem Job begleitet, was heißt, dass sie ihn nur noch müde ins Bett fallen sieht.

Der alternde Star und die junge Frau, sie leiden in ihren hermetischen Waben des Hyatt unter der Zeitumstellung, stehen nachts am Fenster oder zappen durch dreißig bizarre Programme. Beide sind anfällig für ein besonderes Gefühl der Suche, das in der Feststellung münden muss, dass in ihrem Leben etwas sehr Wesentliches fehlt. Ob sie alles verändern sollen, gar gemeinsam einen Neuanfang wagen, das müssen sie nun herausfinden. Sie sind in Tokio am Ziel, also am Anfang. Deutet man die junge Frau als Alter ego der Regisseurin, wofür viel spricht, dann ist interessant, dass sie gerade die Trennung von ihrem Ehemann, dem hippen Regisseur Spike Jonze, bekannt gegeben hat. Natürlich lösen große Hotelfilme sofort das Gefühl aus, dass das Hotel selbst eine Figur in der Geschichte ist. Und dass man diese Figur gerne besuchen möchte.

Aber das ist eine gefährliche Sache. Der wahrscheinlich berühmteste Hotelfilm von allen, Viscontis Tod in Venedig, spielt ganz offensichtlich im «Des Bains» auf dem Lido, wie ja auch die Novelle von Thomas Mann. Das Bild, in dem der Komponist Aschenbach am Fenster seines Zimmers steht und auf die Strandhäuschen herabsieht, die das Meer einrahmen, es ist uns ins Gedächtnis gebrannt. Es lässt sich in der Wirklichkeit nur nicht rekonstruieren.

Zwischen dem «Des Bains» und dem Strand liegt eine breite, von Bäumen gesäumte Straße, sie liegt dort vermutlich immer schon, sie macht diesen Blick unmöglich. Visconti hat also geschummelt. Damit muss man bei Hotelfilmen, wie bei Filmen überhaupt, leider Gottes immer rechnen. Auch das «Regent Beverly Wilshire» in Los Angeles, Schauplatz von Pretty Woman, hat dem Film am Ende nur seine Fassade geliehen. Schon die Lobby wurde in einem anderen Hotel gedreht, und Richard Geres Suite entstand gänzlich im Studio.

Nur bei Lost in Translation sind wir sicher, dass alles so ist wie in der Wirklichkeit des Park Hyatt in Tokio.

Die rothaarige Amerikanerin aus der „New York”-Bar zum Beispiel, die mit ihrem Duo Sausalitos steinerweichende Versionen von Scarborough Fair singt, diese Amerikanerin singt dort tatsächlich. Sofia Coppola schwört, dass sie sie einfach in ihren Film übernommen hat. Sie hatte am Anfang gar keine Geschichte, sondern nur die Erlebnisse von ein paar Aufenthalten in diesem Hotel. Sie wollte von einem Gefühl erzählen, das jeder kennt, aber noch keiner so beschrieben hat. Erst dann hat sich die Story entwickelt, die Begegnung der beiden Fremden, ihre höchst intime Romanze, diese wunderbare Sicherheit, einen Seelenverwandten gefunden zu haben, wenn auch nur für wenige Tage. Der Film ist so groß, weil er diese Erfahrung nicht größer macht als sie ist; weil er sich treiben lässt, weil er Zeit hat, sich in Details zu verlieren.

Du meinst deshalb, das Schmerzen in den Augenwinkeln zu spüren, wenn die Luft zu trocken ist und du mitten in der Nacht erwachst. Die wunderst dich über die grimmig blickenden Bronze-Tierköpfe im Aufzug, du wirst Zeuge der Wassergymnastik im Hotel-Hallenbad, die staunst über die Vorhänge, die morgens, wie von Geisterhand bewegt, leise summend den Blick auf die Stadt freigeben. Die Dusche, die sich nicht bis auf die Höhe deines Kopfes heraufschieben lässt, wird ebenso Teil deiner Träume wie die entstellten Karaoke-Klassiker, die spät nachts aus der Bar durch die Flure wehen. Du erlebst, wie plötzlich der Karaokesänger Bill Murray Roxy Musics More Than This interpretiert. Das sind wunderbare, oft auch sehr lustige Szenen. Am Ende von Lost in Translation wissen wir, dass der Hotelfilm bisher sein wahres Wesen verschleiert hat.

All die prunkvollen Paläste und großartigen Zimmer mit Aussicht, die uns das Kino vorgeführt hat, haben das Wichtigste überdeckt: Das große Hotelgefühl hängt nicht mit Schönheit und Extravaganz zusammen, sondern mit inneren Stimmen, die dich so nur in der Fremde überfallen. Und die dir gerade in einer bombensicheren Bettenburg wie dem Park Hyatt Tokio besonders dezidiert einflüstern: dass du hier nicht nur die nächste Etappe deiner Reise planen musst, sondern auch die nächste Etappe deines Lebens.

Und dass du die Route endlich gründlich ändern musst.

© Tous droits réservés Süddeutsche Zeitung. Fourni par Süddeutsche Zeitung Archiv.
bpb, 07/04/2020
© Tous droits réservés bpb. Fourni par bpb Archiv
Video Essay: Lost in Translation & the language of love
/ Film Radar
en / 30/06/2019 / 10‘39‘‘

Video Essay: Lost in Translation - What's the Point of a doomed romance?
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Das Allroundtalent Bill Murray
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/ The Take
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Chemical Brothers - Elektrobank (music video starring Sofia Coppola)
/ The Chemical Brothers
en / 07/04/2020 / 05‘47‘‘

Données du filmo

Genre
Drame, Comédie, Romance
Durée
105 Min.
Langues originales
Anglais, Japonais
Prix importants
Oscar 2004 : Meilleur scénario original | Golden Globes 2004 : Meilleur film, Meilleur acteur (Bill Murray), Meilleur scénario | Mostra de Venise 2003 : Meilleure actrice (Scarlett Johansson)
Ratings
cccccccccc
ØVotre évaluation7,7/10
IMDB:
7,7 (401850)
Cinefile-User:
< 10 votes
Critiques :
< 3 votes q

Casting & Equipe techniqueo

Bill MurrayBob Harris
Scarlett JohanssonCharlotte
Anna FarisKelly
PLUS>

Bonuso

iVidéo
Video Essay: Lost in Translation & the language of love
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s
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Feature with director Sofia Coppola
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Chemical Brothers - Elektrobank (music video starring Sofia Coppola)
The Chemical Brothers, en , 05‘47‘‘
s
gPresse écrite
Critique Variety
David Rooney
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Locations from the movie
Japan Guide / N.N.
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Critique Süddeutsche Zeitung
Susan Vahabzadeh
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Interview mit Sofia Coppola
Süddeutsche Zeitung / Susan Vahabzadeh
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Essay: Lost in Translation und der Hotelfilm
Süddeutsche Zeitung / Tobias Kniebe
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Einführung in die japanische Kultur
bpb / Friederike Bosse
s
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