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Turist

Ruben Östlund, Suède, 2014o

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Une famille suédoise passe ensemble quelques précieux jours de vacances dans une station de sports d’hiver des Alpes françaises. Lors d’un déjeuner dans un restaurant de montagne, une avalanche vient tout bouleverser. Les clients du restaurant sont pris de panique, Ebba, la mère, appelle son mari Tomas à l’aide tout en essayant de protéger ses enfants. Tomas, lui, a pris la fuite ne pensant qu’à sauver sa peau.

Au-delà du couple, le cinéaste observe une société privilégiée, mais qui pète de trouille, asphyxiée par le principe de précaution, la normalisation forcée des comportements, l'absence criante de solidarité. Le tout dans un style glaçant, comme la neige.

Jacques Morice

Denn die Feigheit wirkt toxisch. Wir erleben in einer kühlen, beunruhigenden Inszenierung die Katastrophe einer vergifteten Liebe und die wachsende Verzweiflung eines Mannes über sich selbst. Aber weil der Regisseur und Autor Östlund das alles als Komödie versteht, hat er sich dann auch einen Teil sehr amüsanten, fein sarkastischen Kitsch erlaubt.

Christoph Schneider

Die Lawine stoppt. Eine Katastrophe, das väterliche Heldenbild ist zerdeppert, und wie alle nun an der neuen Jämmerlichkeit laborieren, die Frau wohl mehr noch als der Mann, daraus bastelt Ruben Östlund ein beklemmendes, komisches Kammerspiel.

Fritz Göttler

Galerie photoso

aVoir-aLire.com, 27/05/2017

De Maxime Lachaud 

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ungrandmoment.be, 27/01/2015

De Nicolas Gilson 

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The Hollywood Reporter, 17/05/2014

De Boyd van Hoeij 

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Variety, 17/05/2014

De Peter Debruge 

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Film Comment, 20/10/2014

De Violet Lucca 

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Tages-Anzeiger, 13/12/2014
Kein Herr der Lage

Lawine kommt, Mann rennt weg, Frau und Kinder bleiben zurück. Mit «Turist» rückt der Schwede Ruben Östlund die verwirrte Männlichkeit ins Bild, auf gnadenlos lustige Art.

De Pascal Blum 

Das Spektakel kann man kaufen. Für den Spielfilm «Turist» plante der schwedische Regisseur Ruben Östlund die «spektakulärste Lawinenszene der Filmgeschichte», wie er beim Gespräch in Cannes erzählt. Die Latte habe ziemlich hoch gelegen, sagt er, und dann sei er auf die Archivaufnahme gestossen, die eine Lawine in British Columbia zeigt. Er kaufte die Rechte und installierte im Studio ein Gipfelrestaurant vor Green­screen. Mit etwas Schneestaub und digitalen Tricks war es fertig, das Spektakel in Weiss. Jetzt knallts im Kino, die Lawine rollt an, wird mächtiger und fegt über die Mittagstische, sodass die Wintertouristen panisch das Weite suchen.

Verletzt wird niemand, es war nur das Restgestöber einer gezielt ausgelösten Lawine, das die Skifahrer erschreckte. Aber eine Familie nimmt doch psychischen Schaden. Tomas, der Vater, krallt iPhone und Handschuhe, als die Schneemassen zu Tal donnern, und flüchtet, ohne sich umzusehen. Seine Frau Ebba beschützt verängstigt die zwei Kinder. Wie sich der Spuk legt, stakst Tomas zurück, als sei nichts gewesen. Der Urlaub in den französischen ­Alpen geht weiter, alles wie gehabt, der Skilift, das Zähneputzen im Luxus­resort, die Thermowäsche. Aber dann kommen die ätzenden Vorwürfe beim Nachtessen mit Freunden. Vor kleinem Publikum klagt Ebba ihren Mann an, und dieser windet sich. Mit Skischuhen könne man gar nicht rennen, verteidigt er sich. Ebba lacht ungläubig.

«Lachen ist erlaubt»

Das ist das Modell von «Turist»: ein System, das mit aller Kraft versucht, seine Bestände zu erhalten – auch wenn das Chaos längst eingeführt worden ist. Mit ihren zwei blonden Kindern wirken ­Tomas und Ebba wie die Kernfamilie vom Förderband, und Tomas, das ist der moderne Mann: ein Versorger, der die latenten Risiken des Wohlfahrtsstaats einschätzen kann, aber die tödlichen Gefahren nicht mehr kennt. Das Heldenhafte hat er verlernt, gehandelt hat er aus Reflex, quer zu jeder Rollenerwartung. Als ihm dämmert, dass er versagt hat, sackt er in sich zusammen. «Ich bin auch ein Opfer meiner Instinkte!» So ist die saturierte Männlichkeit: waschlappenhaft, wenn sie das Geschlechterbild nicht erfüllt; ergreifend, wenn sie sich ihrer Schwäche stellt, die sie haben darf.

Dabei ist «Turist» eine Komödie, auf ihre Art. «Es gibt keinen bestimmten Moment, in dem Lachen nicht erlaubt ist», sagt der 40-jährige Ruben Östlund. Das Beste sei, wenn ihm eine komische Szene gelinge, die Sekunden später ins Entsetzliche kippt. «Bricht der Held in Tränen aus, lacht das Publikum zuerst und merkt dann, wie schlimm die Situation ist.» Im Register der «awkward comedy», der Kunstform der Peinlichkeit von «The Office» bis Judd Apatow, ist Östlund ein Meister. Oben lacht man, unten kringeln sich die Zehennägel, weil der Held alles versucht, um sich keine Blösse zu geben.

«Das Kino hat das Stereotyp des männlichen Helden endlos reproduziert. Aber was geschieht, wenn man den Erwartungen nicht entspricht? Und vor einer Gruppe das Gesicht verliert?» Östlund inszeniert die Blamage des ­Mannes mit unheilvoller Bildsprache und strenger Präzision, auch in den Dialogen. Dieses Timing! Diese Perfektion, mit der die unangenehmsten Vorwürfe einschlagen! Um gleich wieder weg­gewischt zu werden.

So tun, als ob alles in Ordnung sei, das ist Östlunds Thema seit seinem Spielfilm «Involuntary» (2008). «Play» (2011) zeigte in quälenden Totalen, wie schwarze Jungen weisse Jungen schikanieren. Auch das eine Studie des westlichen Verhaltens, das sich an ein Ideal des Zusammenlebens klammert und noch freundlich bleibt, wenn man ihm unfreundlich kommt. «Play» sei «provokativ», gibt Östlund zu, aber auch eine Komödie, und in «Turist» dürfe man erst recht lachen. Und gelacht wurde in Cannes, wo der Film den Jurypreis der Sektion «Un certain regard» gewann. Fast ein Crowdpleaser, oder? «Vielleicht, das war aber überhaupt nicht meine Absicht!» Was ist seine Absicht? Die kontrollierte Sprengung fixer Vorstellungen, die Studie der Dynamik in der Gruppe. Als Nächstes dreht Östlund einen Film, in dem Schauspieler Affen spielen. Klingt lustig, irgendwie.

Ein phänomenaler Stilist

«Turist» soll vorerst die eine oder andere Liebesbeziehung zerstören, sagt Östlund. Und zeigen, wo das neue Kino hinzielt. Es erzählt keine «Geschichte», bietet keine Auflösung – «wie uninteressant!» –, sondern kreise um ein Konzept. In diesem Fall um die Idee der Männlichkeit, um die Bilder, die wir uns davon machen. «Die Frage, welche Gesellschaft wir wollen, ist die Frage danach, welche Bilder wir von uns schaffen.» Das Kino soll verbreitete Einstellungen hinterfragen, es sei ja selbst schuld daran, dass seine Klischees unser Handeln prägen. «Schwer zu sagen, wie viel von unserem Leben vom Kino kommt und wie viel aus der Erfahrung.»

Deshalb endet «Turist» nicht mit einer Aussprache. Sondern mit zwei sich spiegelnden Bildideen zur demontierten Männlichkeit. Zuerst in einer (nur gespielten?) Rettungsaktion im Nebelweiss der Skipiste. Dann, in der phänomenalen Coda, im Touristenbus auf einer Bergstrasse mit beängstigend engen Kurven. Der Fahrer lenkt, bremst, fährt ruckartig an, und die Gruppe erfasst die Panik. Tomas, Ebba, die Kinder und fast alle anderen steigen aus und gehen die Strasse zu Fuss hinunter, eine prekäre Herde, die eine Gefahr gebannt hat.

Und Ruben Östlund, dieser Stilist, zeigt uns die Gruppe frontal, fasst die Einstellung immer weiter und lässt die Komparsen ein wenig zurückfallen, bis Tomas an der Spitze geht. Da ist er wieder, der Anführer.

© Tous droits réservés Tages-Anzeiger. Fourni par Tages-Anzeiger Archiv
18/11/2014
Feigling vor der Lawine

Was passiert, wenn ein Vater kein Held ist? Der Film „Höhere Gewalt“ zeigt die Bruchstellen der individualisierten Gesellschaft. In Sichtweite der Komödie, die dennoch unerreichbar bleibt.

De Bert Rebhandl 

Wenn Ikea irgendwann die Alpen kauft, entstehen dort vermutlich viele solcher Hotels wie das in Ruben Östlunds Film "Höhere Gewalt" - ein großer Wandschrank im Felsen, in dem jede Familie eine Lade bezieht. Zum Streiten müssen die Eltern nach draußen auf einen Gang gehen, auf dem ihnen jeder zuhören kann. Die wichtigen Wege führen durch Schleusen, in denen man bewegt wird - Gleiten statt Hetzen. Alles in einem Rhythmus der Vollversorgung. Der größte Clou aber ist der Spiegel im Badezimmer. Er hat nämlich genau das Format, das auch ein Filmbild hat. Und so können Tomas und Ebba und ihre Kinder Vera und Harry beim Zähneputzen über das Wunder staunen, das sie selbst sind: eine voll funktionale schwedische Wohlstandsfamilie in 1:2,35. Darling, wir sind im Kino!

Filmreif ist auch die Lawine, die der Familie in die Parade fährt. Da sie in einer Gegend abgeht, in der alles kontrolliert abläuft, wie Tomas noch betont gelassen verkündet, droht von den Schneemassen keine Gefahr. Sie rasen dann aber doch mit solcher Wucht auf die Sonnenterasse zu, auf der die Skifahrer gerade Pause machen, dass die meisten die Nerven verlieren. Es ist eine spektakuläre Szene, in der Östlund für zwei Minuten ins Genre des Katastrophenfilms wechselt. Als sich der weiße Staub gelegt hat, ist zwischen Tomas und Ebba nichts mehr so wie vorher. Denn er hat sich in dem kritischen Moment nicht so verhalten, wie das von ihm zu erwarten gewesen wäre. Doch was genau wäre von ihm zu erwarten gewesen?

Diese Frage beschäftigt Östlund in "Höhere Gewalt". Sie stellt sich dem Publikum wie den Figuren. Denn es folgen nun Szenen einer Ehe, und wir müssen unsere Sympathien verteilen. Mal sind wir mehr bei Ebba, dann wieder bei Tomas, zwischendurch vielleicht auch bei Mats, einem später angereisten Freund. Mats, der gern wirken würde wie ein Hipster und Abenteurer (Bart, cooles Gehabe), nimmt sich die Zweifel an der Männlichkeit von Tomas besonders zu Herzen. Aber das hat vielleicht damit zu tun, dass er sich gegenüber der eigenen Familie nicht gerade nobel verhält. Die ist nämlich in Oslo, und er macht Urlaub mit einer Zwanzigjährigen.

Ausschnitt und Überblick

Die Probleme, die Östlund interessieren, sind die Probleme, die in hochindividualisierten Gesellschaften mit einem gewissen Wohlstandsniveau nun einmal auftauchen. Skandinavien galt lange Zeit als Beispiel dafür, wie sich die verschiedenen Interessen halbwegs gut integrieren lassen: Selbstverwirklichung, Gemeinsinn, traditionelle Werte, moderne Lebensformen. Östlund macht ein Kino, das die Bruchlinien im skandinavischen Alltag nachzeichnet. Während es bei Ingmar Bergman, auf dessen Feld sich der 1974 geborene Östlund wagt, noch um die Ablösung der alten Götter und um die Schuldgefühle ging, die damit einhergingen, ist aus "Höhere Gewalt" jede Metaphysik so grundsätzlich gewichen wie eben aus einem Raum mit Ikea-Mobiliar. Die neue Welt ist in die Funktionale gerutscht, und der Künstler fragt, wie es sich darin mit den Gefühlen verhält.

Die immer wiederkehrenden Szenen vor dem Spiegel sind charakteristisch für Östlund, der einen frontalen Stil bevorzugt. Häufig steht seine Kamera gleich dort, wo sonst die Überwachungskamera wäre, und immer wieder kommt es dadurch zu Einblicken, die zugleich indiskret und unvollständig sind. "Höhe Gewalt" ist in dieser Hinsicht ein wenig anders als seine beiden vorangegangenen Problemfilme "Unfreiwillig" und "Play", die das Prinzip der Totalen (also einer Einstellung aus der Distanz) zu immer wieder überraschenden Verfremdungen nutzten. Sein Spiel mit Ausschnitt und Überblick ist soziologisch und artifiziell, und weil er in beide Richtungen tendenziell immer ein bisschen zu weit geht, leben seine Filme von einer ganz eigentümlichen Spannung.

Am Ende hilft schon eine Zigarette

In den Hochalpen, in der fremden und seltsamen Welt des Wintertourismus, ist Östlund gut beraten, sich nicht zu sehr auf die Schauwerte zu verlassen, von denen es genügend gibt. Das Skifahren selbst ist ja eine wunderbare Metapher für den Aufwand, den es braucht, um Leichtigkeit zu organisieren. Für ein paar schwungvolle Minuten wird eine langwierige Anreise in Kauf genommen, man zwängt sich in eine unvorteilhafte Montur, und abends fühlt man sich wie ein Astronaut auf dem falschen Trabanten. Östlund hat früher einmal Filme über das Skifahren gemacht, und man sieht an "Höhere Gewalt" noch, dass er weiß, wie man ein bestimmtes Abheben zeigt.

Noch besser weiß er, wie man auf die Nase fällt. Die Komödie ist hier immer um die nächste Ecke, aber sie bleibt unerreichbar. Denn das Leben von Tomas und Ebba ist letztlich zu gewöhnlich, als dass es sich von einer höheren Gewalt wirklich betreffen lassen könnte. Mit Ruben Östlund hat das europäische Kino einen Beobachter auf der Höhe unserer Zeit gefunden: Er sieht dabei zu, wie sich in den künstlichen Paradiesen die letzten Regungen des Naturzustands verlieren. Am Ende hilft schon eine Zigarette, damit Tomas sich wieder als Mann fühlt. Oder um zumindest den Zweifel daran zu betäuben, ein selbstverständliches Leben könnte ein für allemal unerreichbar geworden sein.

© Tous droits réservés Frankfurter Allgemeine Zeitung. Fourni par Frankfurter Allgemeine Zeitung Archiv
Ruben Östlund on YouTube and the Moving Image
N.N. / Tiff Originals
en / 02/03/2015 / 1‘51‘‘

Video Essay: The Origins of Ruben Östlund’s Long-Take Style
Mathias Korsgaard / 16:9 Film Journal
en / 02/03/2015 / 11‘42‘‘

Interview with Director Ruben Östlund
Dennis Lim / Walker Art Center
en / 16/03/2015 / 62‘17‘‘

Feature: Alienating Leading Men
De Bob Mondello / NPR
en / 4‘04‘‘

Données du filmo

Autres titres
Höhere Gewalt DE
Snow Therapy FR
Force Majeure EN
Genre
Drame
Durée
118 Min.
Langues originales
Suédois, Anglais, Français, Norvégien
Ratings
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ØVotre évaluation7,3/10
IMDB:
7,3 (42782)
Cinefile-User:
< 10 votes
Critiques :
< 3 votes q

Casting & Equipe techniqueo

Lisa Loven KongsliEbba
Johannes KuhnkeTomas
Clara WettergrenVera
PLUS>

Bonuso

iVidéo
Ruben Östlund on YouTube and the Moving Image
Tiff Originals, en , 1‘51‘‘
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Video Essay: The Origins of Ruben Östlund’s Long-Take Style
16:9 Film Journal, en , 11‘42‘‘
s
Interview with Director Ruben Östlund
Walker Art Center, en , 62‘17‘‘
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gPresse écrite
Critique aVoir-aLire.com
Maxime Lachaud
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Critique ungrandmoment.be
Nicolas Gilson
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Critique The Hollywood Reporter
Boyd van Hoeij
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Critique Variety
Peter Debruge
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Interview with Director Ruben Östlund
Film Comment / Violet Lucca
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Critique Tages-Anzeiger
Pascal Blum
s
Critique Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bert Rebhandl
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hAudio
Feature: Alienating Leading Men
NPR / en / 4‘04‘‘
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