Gott
Lars Kraume, Allemagne, 2020o
Richard Gärtner, 78 ans, souhaite mettre fin à ses jours. Pour son médecin traitant, il est hors de question de prescrire un médicament mortel à son patient en bonne santé. L'affaire est débattue devant le Conseil allemand d'éthique, où une juriste, un médecin et un évêque sont interrogés publiquement et où l'avocat de Görtner, contre toutes les mises en garde, se lance dans des discours polémiques.
Darf ein gesunder, aber lebensmüder Mann Ende siebzig verlangen, dass ihm ein Arzt ein Sterbemittel verabreicht? Um diese Frage dreht sich das 2020 uraufgeführte Theaterstück Gott des deutschen Schriftstellers Ferdinand von Schirach, das im gleichen Jahr verfilmt wurde. Die 90minütige Handlung spielt ohne Unterbruch in einem einzigen Raum: an einer öffentlichen Sitzung des deutschen Ethikrats, wo der Sterbewillige (Matthias Habich) mit seinem Anwalt (Lars Eidinger) vorspricht und die Vorsitzende (Barbara Auer) Sachverständige wie eine Verfassungsrechtlerin (Christiane Paul) oder einen Bischof (Ulrich Matthes) zur Befragung aufruft. Das klingt trotz der phänomenalen Besetzung nach einer trockenen Angelegenheit und wird vom gebürtigen Ostdeutschen Lars Kraume, den man von exzellenten Filmdebatten wie Der Staat gegen Fritz Bauer oder Das schweigende Klassenzimmer kennt, auch betont nüchtern in Szene gesetzt. Und dies ist genau richtig so. Denn: Auch Gott ist ein Denkstück, das die Argumente zu eine der modernen Grundfragen abwägt: Wer bestimmt über unser Leben? Sind wir nur uns selbst oder ein Stück weit auch unseren nächsten und der Gesellschaft gegenüber verpflichtet? Und wie argumentieren Leute, die täglich mit diesen Fragen konfrontiert sind? Man spürt es dem Script höchst positiv an, dass es ein gelernter Jurist und erfahrener Anwalt geschrieben hat. Blitzgescheit, dramatisch clever und deshalb dennoch packend wogen die Argumente hin und her und schaukeln sich dann doch die Emotionen hoch. Zudem hat Kraume dafür gesorgt, dass mit Lars Eidinger als Anwalt des Sterbewilligen einer der stärksten Schauspieler seiner Generation die Rolle von Schirachs Alter Ego innehat: Grandios, wie Eidinger mit unverhohlener Arroganz auf den Vorsitzenden der deutschen Ärztekammer losgeht, wunderbar listig und sogar witzig, wie er die theologischen Argumente des Bischofs zerpflückt. Kurz: Auch 90 Minuten reines Denken können reine Lust sein.
Andreas Furler
