The Narrative
Martin Schilt, Bernard Weber, Suisse, 2026o
Kweku Adoboli travaille comme trader chez UBS Londres et mène une carrière prometteuse. Lorsqu'il assume la responsabilité d'une perte de 2,3 milliards de dollars, l'opinion publique bascule. Le film remet en question le récit habituel et reconstitue le procès à partir des procès-verbaux originaux – un procès qui soulève plus de questions qu'il n'apporte de réponses.
Der Londoner UBS-Banker Kweku Adoboli machte 2011 weltweit Schlagzeilen als der betrügerische Trader, der im Alleingang 2.3 Milliarden Dollar verspekuliert hatte – dies keine drei Jahre, nachdem die UBS vom Schweizer Staat mit einer Finanzspritze von 6 Milliarden Franken gerettet worden war. Adoboli wurde zum Symbol für die unheilbare Gier der Finanzindustrie. Der gebürtige Ghanaer, der seine gesamte Ausbildung in England absolviert hatte und mit 21 zur UBS gestossen war, wurde mit fünf Jahren Gefängnis bestraft und danach in sein Heimatland abgeschoben. Das Schweizer Dokumentaristen-Gespann Bernard Weber (Der Klang der Stimme) und Martin Schilt (Krähen) kommt in seiner Aufarbeitung des Falls zu einem Schluss, der selbst für Laien zwar auf der Hand liegt: Adoboli war kein ausser Kontrolle geratener Einzeltäter, sondern ein Bauernopfer, mit dem die UBS und die britische Justiz in einem unheimlichen Schulterschluss das Versagen eines ganzen Systems bemäntelten. Trotz dieser absehbaren Demaskierung des Einzeltäter-Narrativs ist der gleichnamige Film eine höchst instruktive und packende Recherche aus zwei Hauptgründen: Erstens sind Adobolis befragte Studienkolleg:innen, eine Reihe externer Beobachter:innen und vor allem der Protagonist selbst lauter einnehmende und höchst beredte Figuren, die brisante Details über den Fall und die globale Finanzspekulation zusammentragen. Zweitens veranschaulicht eine Nachinszenierung zentraler Prozessmomente unmittelbar, wie eine Phalanx von UBS-Anwälten nur schon mit ihrer Präsenz Adabolis Teamkolleg:innen zu phänomenaler Vergesslichkeit brachte und ungeniert Einfluss auf die Staatsanwaltschaft nahm. Genauso frappierend schliesslich der dritte Teil, der die Schikanen des britischen Strafvollzugs und Ausschaffungswesens beschreibt. Kein Zufall wohl, wenn einen letztere auch an hiesige Verhältnisse erinnern.
Andreas FurlerGalerie photoso
