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Le passé

Asghar Farhadi, France, Iran, Belgique, Italie, 2013o

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Après quatre années de séparation, Ahmad arrive à Paris depuis Téhéran, à la demande de Marie, son épouse française, pour procéder aux formalités de leur divorce. Lors de son bref séjour, Ahmad découvre la relation conflictuelle que Marie entretient avec sa fille, Lucie. Les efforts d'Ahmad pour tenter d'améliorer cette relation lèveront le voile sur un secret du passé.

Le Passé est la représentation même de ce que doit offrir le cinéma : de l’émotion, du suspens et, surtout, beaucoup d’amour. Sublime.

Bruno Rit

Depuis Une séparation, Asghar Far­hadi atteint l'osmose rare : être constamment sur la crête des sentiments, sans jamais verser dans la fadeur, ni la lourdeur.

Pierre Murat

Captivant comme un thriller, Le Passé produit tout ce que le cinéma est à même de donner de meilleur.

Pascal Mérigeau

Immer mischt sich Vergangenes in die Aktualität. Immer ein gewesenes Drama ins gegenwärtige. Anständige Menschen nehmen unanständige Umwege, um anständig zu bleiben. Asghar Farhadi («A Separation») inszeniert ihre Erregungen als ruhiger Beobachter, nicht als Rechthaber; sozusagen staunend darüber, was mit Figuren passiert, die man in die Freiheit ihrer eigenen Unlogik entlässt. Und das macht diesen Film so herausfordernd und lebenswahr.

Christoph Schneider

Der iranische Regisseur Asghar Farhadi, der für "Nader und Simin" vom Oscar abwärts alles gewonnen hat, inszeniert nun auf Französisch in der Pariser Vorstadt. Eine Apothekerin und ein Wäschereibesitzer, eine Affäre, aus der ein neues Leben werden soll - wären da nicht noch widerspenstige Kinder, ein Ex-Mann und eine Frau im Koma. Etwas Unwiderrufliches ist bereits passiert, und Farhadi zeigt seine Meisterschaft einmal mehr darin, wie er die Zuschauer zu Detektiven der Gefühle macht.

Tobias Kniebe

Galerie photoso

Les Inrocks, 13/05/2013
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The Guardian, 27/03/2014
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05/07/2013
Frisch gestrichen

Neues vom Oscar-Preisträger Asghar Farhadi: „Le Passé“.

De Martina Knoben 

Ein Haus renovieren, sich neu einrichten im Leben – darum geht es im neuen Film des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi, dessen „Nader und Simin – eine Trennung“ voriges Jahr unter anderem den Oscar als bester fremdsprachiger Film bekam. Wer etwas erfahren wollte vom Klima in den islamischen Gesellschaften, vom Lebensgefühl vor dem großen Umbruch, wurde in „Nader und Simin“ fündig. „Le Passé“ setzt dieses Thema fort. In einer vordergründig vollkommen unpolitischen Geschichte erzählt der Film davon, wie man einen sehr plötzlich und gewaltsam umgekrempelten Haushalt weiterführt.

Farhadi hat diesmal zum ersten Mal außerhalb seiner Heimat Iran gedreht – in Frankreich. Als ob er die Fluchtbewegung fortsetzen wollte, die sich in „Nader und Simin“ bereits andeutete, in der ein Paar sich trennt, weil die Frau mit ihrer Tochter ins Ausland gehen will. Das Vorstadthaus, in dem nun der größte Teil von „Le passé“ spielt, liegt am Bahndamm; und auch innen sieht es sehr provisorisch aus. Die Möbel sind mit Plastikplanen abgedeckt, die Wände frisch gestrichen. Mitten in der Renovierung kommt Ahmad (Ali Mosaffa) aus Iran nach Paris zurück, um sich Jahre nach der Trennung von seiner französischen Noch-Ehefrau Marie (Bérénice Bejo) scheiden zu lassen. Diese will Samir (Tahar Rahim) heiraten, ist schwanger von ihm; Samir und dessen Sohn sind eigentlich schon bei Marie eingezogen, was wiederum Maries großer Tochter zu schaffen macht. Ein Zuhause muss dieses Haus erst wieder werden.

Unmöglich, einen Grundriss davon zu zeichnen, so fragmentiert lassen Farhadis Kamera und Montage dieses Haus aussehen. Aus den Einstellungen, die oft in der Küche, seltener im Kinderzimmer, im Schlafzimmer oder Garten spielen, entsteht kein Ganzes, alles erscheint unübersichtlich – wie die Beziehungen in dieser Familie, die Farhadi sehr subtil und delikat auffaltet. Jede Begegnung und jeder Dialog bergen Andeutungen, unausgesprochene Vorwürfe, Fragen und Erwartungen. Und wie schon in „Nader und Simin“ bleibt es nicht beim mittelständischen Familiendrama, es wird ein Krimi daraus: Warum will die Tochter mit Samir um keinen Preis zusammenleben? Welche Schuld tragen Marie und Samir am versuchten Selbstmord von Samirs Frau? Immer neue Schichten der Wahrheit, von Schuld und Verantwortung werden offenbar. Wobei der Iraner Ahmad als Katalysator der Wahrheitsfindung dient.

Die Kamera ist nicht so ruhelos wie in „Nader und Simin“, aber sie ist agil genug, um die Dynamik der Beziehungen wiederzugeben. Unsichtbare Verbindungslinien scheinen sich zwischen den Figuren quer durch die Räume zu ziehen. Gleichzeitig wirken diese separiert voneinander. Immer stehen Glasscheiben zwischen ihnen. Schon ganz am Anfang etwa, wenn Marie am Flughafen Ahmed längst gesehen hat, aber nicht hören kann hinter der dicken Scheibe aus Sicherheitsglas.

Gehen oder bleiben, Iran verlassen oder dort eine undankbare Pflegeaufgabe übernehmen? Das war die Frage in „Nader und Simin“, dessen Konflikt sich ganz unmittelbar politisch verstehen ließ – immerhin leben einige der bedeutendsten iranischen Filmemacher, wie etwa die Makhmalbaf-Familie, im Exil. Auch in „Le passé“ wird die Familie förmlich zerrissen zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen der Verantwortung, die Samir etwa an seine im Koma liegende Frau bindet, und dem dynamischen Blick nach vorn. Dafür steht vor allem Marie, die von Bérénice Bejo (bekannt aus dem Stummfilm „The Artist“) ganz hinreißend als moderne, etwas rücksichtslose Marianne gespielt wird. Freiheit bedeutet für sie, immer nach vorne zu blicken – aber natürlich lässt sich die Vergangenheit niemals abhängen.

In „Le passé“ vermeidet Farhadi jeden noch so winzigen offensichtlich politischen Anknüpfungspunkt. Wenn man will, kann man diese Dimension dennoch erkennen – wenn man etwa in Samirs komatöser Ehefrau, der reglosen Schönen, die Samir mit seinem Duft zurück in die Welt locken will, (auch) Iran sieht. „Ein krankes Kind“ hat Farhadi selbst sein Land einmal genannt, „für das man alles zu tun bereit ist.“

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Spiegel Online, 17/05/2013
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29/01/2014
„Niemand kann sich verständigen“

Oscargewinner Asghar Farhadi über „Le Passé“, iranische Missverständnisse und universale Gefühle.

De Martina Knoben 

Für „Nader und Simin – eine Trennung“ hat Asghar Farhadi vor zwei Jahren den ersten Oscar für das iranischen Kino gewonnen. Er erzählt darin von einem Ehepaar, das sich trennen will, weil sie emigrieren und er in Iran bleiben will. In Farhadis neuem Film „Le Passé“ist die Trennung vollzogen, lebt eine Familie zerrissen zwischen Iran und Frankreich.

Sie haben erstmals im Ausland, in Paris, gedreht. Könnte das Haus, in dem die Geschichte spielt, auch woanders stehen?

Es musste eine Stadt mit einer großen Vergangenheit sein. Außerdem ist der Lebensrhythmus von Paris sehr besonders: Die Beschleunigung in dieser Stadt, ihre Geschwindigkeit habe ich gebraucht. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen durch sie nach vorne katapultiert werden.

Gab es einen Ausgangspunkt für Ihre Geschichte?

Der Ausgangspunkt war die Erinnerung eines Freundes, den seine Ex-Frau, die in einem anderen Land lebt, gebeten hatte zu kommen, um ihre Scheidung offiziell zu machen. Er war jahrelang weg gewesen, kam dann zurück und blieb bei ihr für diese Scheidung.

„Nader und Simin“ hat offen das Thema Emigration aus dem Iran diskutiert, und „Le Passé setzt diese Fluchtbewegung in gewisser Weise fort.

Ahmad in „Le Passé“ ( der in Iran lebt, Anm. der Red. ) ist für mich eine Figur wie alle anderen. Ich empfinde keine besondere Nähe zu ihm. Er ist in gewisser Weise ein Sklave der Vergangenheit – ich persönlich fühle mich nicht so. Ich mag es, nach vorne zu schauen.

Heißt das, Sie identifizieren sich eher mit den Frauenfiguren, die viel dynamischer sind?

Alle Figuren sind wahrscheinlich Teile von mir. Oder haben Teile von mir in sich. Und der Teil, der nach vorne schaut, ist hauptsächlich in den Frauenfiguren verankert.

Die Kamera in „Le Passé“ ist ruhiger als in „Nader und Simin“. Weil die Figuren ruhiger sind, weil sie „angekommen“ sind in einem neuen Leben?

Alles, was passiert ist, liegt in der Vergangenheit, eine gewisse Ruhe ist eingekehrt. Deshalb muss auch die Kamera ruhiger sein. Außerdem ist die Dynamik der Figuren innerlich, sie veräußerlichen das nicht.

Ich empfinde die Bewegungen der Figuren im Haus als eine Art Choreografie. Wie festgelegt war das?

Alles ist von mir entworfen, aber das sollte niemand so deutlich mitbekommen. Die Figuren sollten den Anschein erwecken, als würden sie das tun, was ihnen gerade in den Sinn kommt.

Sind Sie ein Perfektionist?

Weil ich mich so lang mit einem Film befasse, mir so viel Zeit nehme dafür, habe ich das Gefühl, dass ich in gewisser Weise alles bestimmen muss. Und das empfinde ich durchaus auch als Genuss.

Sie kommen eigentlich vom Theater. Warum ziehen Sie das Medium Film mittlerweile vor?

Ich wollte eigentlich beim Theater bleiben. Aber dann kam das Angebot, ein Hörspiel fürs Radio zu schreiben, so bin ich beim Radio gelandet. Dann kam das Fernsehen, dann ein Produzent vom Kino. Das Theater hat für mich aber immer noch eine große Bedeutung. Ich möchte auch irgendwann dorthin zurückkehren.

Nach welchen Kriterien haben Sie das Haus ausgewählt, in dem Ihr Film spielt?

Wenn eine Geschichte von einer Familie erzählt, spielt deren Haus automatisch eine große Rolle. Es erzählt von den Menschen, die dort jahrelang gelebt haben. Ich habe versucht, viel der Personenbeschreibung über die Innenarchitektur zu machen. Das Haus sollte selbst eine Figur im Film darstellen. Seine Architektur, das Verwinkelte, korrespondiert mit der inneren Haltung der Figuren. Es ist keine einfache Architektur. Man kann sagen, dass das Haus eine Patchworkfamilie widerspiegelt.

Ihre Filme sind Krimis, in denen immer wieder neue Schichten von Wahrheit offengelegt werden. Hat diese Erzählstruktur mit Ihren Erfahrungen in Iran zu tun, wo vieles nicht öffentlich ist, wo man darauf achten muss, wem man was erzählt?

Das ist weniger kulturell bedingt, weil wir in Iran – etwa in der Literatur – kaum Kriminalgeschichten haben. Diese Methode habe ich erst im Theater entdeckt, wo ich viel mit internationaler Literatur zu tun hatte. Immer wenn ich ein neues Stück gelesen habe, hat es mir erlaubt, neue Schichten und Arbeitsweisen zu finden.

Wahrheit ist aber schon ein Schlüsselbegriff in Ihren Arbeiten?

In allen meinen Filmen gibt es eine Wahrheit, nach der alle Figuren streben.

Was wäre Ihnen der wichtigere Begriff: Wahrheit oder Freiheit?

Freiheit ist wichtiger.

In einem Interview haben Sie Iran mit einem kranken Kind verglichen, für das man alles bereit ist zu tun. Ich habe da an zwei Ihrer Figuren gedacht: den alzheimerkranken Vater in „Nader und Simin“ und die Ehefrau im Koma in „Le Passé“.

Sie können das so interpretieren, aber ich habe nicht daran gedacht, als ich die Figuren entworfen habe. Ich habe sie immer als Personen gesehen und nicht darauf geachtet, ob sie für etwas anderes stehen.

Wie politisch ist „Le Passé“?

Wenn wir „politisch“ so definieren, dass es um politische Systeme geht, ist er gar kein politischer Film. Aber man kann auch sagen, dass all meine Filme politisch sind. Nicht auf den ersten Blick, aber ich denke, dass sie durchaus ihre Wirkung hinterlassen. Wenn wir darüber reden, welchen Anteil, welche Schuld Menschen an der Vergangenheit haben, dann hat das etwas mit Politik zu tun.

„Nader und Simin“ war in Iran ein Riesenerfolg. Viele iranische Filme, die im Westen gefeiert werden, laufen in Iran gar nicht. An welches Publikum haben Sie bei „Le Passé“ gedacht?

Auch da war es mir sehr wichtig, dass der Film in Iran läuft. Die Menschen im Iran haben das größte Recht darauf, meine Filme zu sehen – vielleicht brauchen sie sie auch am meisten.

Sie erzählen auch von der gescheiterten Beziehung einer Französin zu einem Iraner. Sind die kulturellen Unterschiede zu groß?

Ich glaube, dass die Ähnlichkeiten größer sind, als wir denken. Es waren auch nicht die kulturellen Unterschiede, die zu dieser Trennung geführt haben. Was aber sehr iranisch ist an der Figur des Ahmad: Er hat seiner Frau bei der Trennung die Wahrheit nicht auf einmal gesagt. Er hat versucht, Zeit vergehen zu lassen.

Inwiefern ist das iranisch?

Zu unserer Kultur gehört es, dass wir vieles nicht direkt ansprechen. Auch unsere Sprache ist so, dass wir viel indirekt sagen, durch Metaphern. Dadurch entstehen viele Missverständnisse. Der Grund ist aber kein schlechter, wir wollen freundlich sein zu den Menschen, die wir mögen.

Wobei man gerade in „Le Passé“ sieht, dass alle eigentlich Gutes wollen und dabei einen Haufen Schuld auf sich laden.

Das ist in allen meinen Filmen so, dass die Figuren eine Besserung der Situation anstreben. In „Le Passé“ entdecken alle schließlich, dass sie Anteil an dem haben, was in der Vergangenheit passiert ist. Dass sie dafür Verantwortung tragen.

Wenn Sie wählen müssten zwischen einem Stummfilm oder einem Hörspiel – was würden Sie wählen?

Ich würde den Stummfilm wählen. Es ist zwar so, dass viel geredet wird in meinen Filmen, aber niemand kann sich verständigen. Und deshalb kommen sie mir fast wie Stummfilme vor. Tatsächlich ist die erste Szene von „Le Passé“ ja auch wie bei einem Stummfilm gestaltet.

© Tous droits réservés Süddeutsche Zeitung. Fourni par Süddeutsche Zeitung Archiv.
Video Essay: Asghar Farhadi - Life and Cinema
Tina Hassannia / The Critical Press
en / 15/12/2014 / 4‘06‘‘

Interview with Asghar Farhadi
/ Euronews
en / 23/05/2012 / 7‘52‘‘

Feature
De Bilal Qureshi / NPR
en / 6‘10‘‘

Données du filmo

Autres titres
Le Passé - Das Vergangene DE
The Past EN
Genre
Drame
Durée
130 Min.
Langues originales
Français, Farsi
Ratings
cccccccccc
ØVotre évaluation7,8/10
IMDB:
7,8 (42351)
Cinefile-User:
< 10 votes
Critiques :
< 3 votes

Casting & Equipe techniqueo

Bérénice BejoMarie Brisson
Tahar RahimSamir
Ali MosaffaAhmad
PLUS>

Bonuso

iVidéo
Video Essay: Asghar Farhadi - Life and Cinema
The Critical Press, en , 4‘06‘‘
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Interview with Asghar Farhadi
Euronews, en , 7‘52‘‘
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gPresse écrite
Critique Les Inrocks
Serge Kaganski
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Critique The Guardian
Peter Bradshaw
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Critique Süddeutsche Zeitung
Martina Knoben
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Critique Spiegel Online
Lars-Olav Beier
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Interview mit Regisseur Asghar Farhadi
Süddeutsche Zeitung / Martina Knoben
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hAudio
Feature
NPR / en / 6‘10‘‘
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