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The Imitation Game

Morten Tyldum, GB, 2014o

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L'histoire hors-norme d'Alan Turing, le mathématicien anglais qui aida à percer le code de l'outil de communication des Allemands durant la Seconde Guerre mondiale : la machine Enigma.

La mise en scène classique, n'évite pas les clichés. Pour autant, et c'est tout le paradoxe de ces films spectaculaires, on ne s'ennuie pas devant cet Imitation Game.

Franck Nouchi

Wie immer, wenn Cumberbatch einen bleichen Intellektuellen gibt, lohnt sich das Zuschauen. Leider bleibt das der einzige Vorzug dieses Filmes, der erschreckend weit unter der Intelligenz seines Hauptdarstellers funktioniert. Die vielen historischen Ungenauigkeiten und einkalkulierten Fehler sind ärgerlich genug; was am meisten enttäuscht, ist das fahrige Drehbuch. Es ist so offensichtlich auf Effekt hingeschrieben, dass kaum je Empathie für die Figuren aufkommt. Ein solcher Mensch in einer solchen Epoche hätte eine bessere Darstellung verdient.

Jean-Martin Büttner

Die deutsche Wehrmacht jagt ihre Funksprüche durch eine geheime Chiffriermaschine namens Enigma, die als unentschlüsselbar gilt. Bis der Mathematiker Alan Turing beim britischen Geheimdienst anheuert – und Churchill persönlich ihm grünes Licht gibt, eine monströse Gegenmaschine zu bauen. Benedict Cumberbatch spielt das schwule Genie als beinah autistischen, Oscar-verdächtigen Stinkstiefel, und Morten Tyldum macht die wahre Geschichte auch für Mathe-Nullen spannend.

Tobias Kniebe

Der brillante junge Mathematiker, Logiker, Kryptoanalytiker und Informatiker Alan Turing wird im Zweiten Weltkrieg von der britischen Regierung in ein Team von Kryptografen berufen, um die Codes der Enigma-Verschlüsselungsmaschine zu knacken, auf denen der deutsche Funkverkehr beruht. Dabei machen ihm nicht nur technische Probleme zu schaffen, sondern auch seine überhebliche Art, die ihm Gegner in den eigenen Reihen schafft. Konventionelle Filmbiografie über Turing (1912-1954), die den Wettlauf gegen die Zeit spannend umsetzt und mit einem grandiosen Hauptdarsteller aufwartet. Zwiespältig ist der Film in der Abbildung von Turings Homosexualität, die zwar nicht ausgespart, aber an die Ränder verschoben wird und weitgehend abstrakt bleibt.

Marius Nobach

Galerie photoso

Le Monde, 26/01/2015
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The Guardian, 16/11/2014
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21/01/2015
Der kastrierte Kriegsheld

Der Kinofilm «The Imitation Game» basiert auf der Biografie des britischen Mathematikers Alan Turing. Das Leben dieses Genies, das den zweiten Weltkrieg um Jahre verkürzte, war dramatisch.

De Nick Joyce 

Alan Turing hat den Verlauf des Zweiten Weltkriegs massgeblich mitbestimmt. Vom 1912 geborenen Briten sagt man, er habe den Kampf der alliierten Streitkräfte gegen Nazideutschland um Jahre verkürzt. Dabei war Turing kein General, der entscheidende Truppenbewegungen oder Luftattacken geplant und angeordnet hat. Er war ein schwuler Zivilist, der weitab aller Kriegshandlungen an mathematischen Problemen werkelte – und dabei Pionierarbeit auf dem Gebiet der elektronischen Datenverarbeitung leistete.

Turings Verdienst war es, die Grundlagen dafür zu schaffen, dass zuerst London und später auch Washington den verschlüsselten Nachrichtenverkehr der Nazis mitlesen konnten. Das war kein leichtes Unterfangen, wurden die deutschen Kommunikationskanäle doch mit der sogenannten Enigma verschlüsselt, einem hochkomplexen Gerät der Firma Siemens, das dem Benutzer Millionen Chiffriermöglichkeiten eröffnete. Dazu kam, dass die deutschen Streitkräfte ihre Enigmas alle 24 Stunden neu einstellten. Für die britischen Kryptografen in der geheimen Codeknacker-Zentrale Bletchley Park bedeutete dies, dass sie die Arbeit jeden Tag von vorne beginnen mussten.

Als Alan Turing im September 1939 im rund 65 Kilometer nordwestlich von London gelegenen Bletchley eintraf, hatten polnische Kryptografen bereits wichtige Einblicke in Bauart und Funktionsweise der Enigma geliefert. Dank diesen Vorlagen konnte sein Team die sogenannten Bombes (siehe auch Cover) bauen. Das waren bedrohlich tickende Maschinenkolosse, die mögliche Enigma-Einstellungen schneller überprüften, als es ein Mensch tun konnte. Premier­minister Winston Churchill erkannte die Wichtigkeit von Turings Arbeit für den Kriegsverlauf und sprach ihm 1941 unbegrenzte personelle und technische Ressourcen zu.

Exzentrisches Genie

Turing, Sohn eines schottischen Beamten, war schon früh als Mathematiker aufgefallen. Während seiner Internatszeit hatte er bereits eigene Schlüsse über die Arbeit von Albert Einstein und Isaac Newton gezogen, später belohnte die Eliteuniversität Cambridge den brillanten Studenten mit einem Fakultätsposten ohne Lehrverpflichtung: Turing war damals erst 22 Jahre alt. Die Doktorarbeit legte er an der nicht minder renommierten Universität von Princeton im US-Bundesstaat New Jersey ab, seine Dissertation behandelte die Grenzen der Problemlösung mittels Algorithmen.

Turing war ein Exzentriker mit autistischen Zügen, aber ein verkopfter Theoretiker war er beileibe nicht. Von Bletchley Park aus soll der begabte Langstreckenläufer jeweils kurzerhand ins ferne London hinuntergejoggt sein. 1948 bewarb er sich gar um Aufnahme ins Olympische Kader Grossbritanniens.

Nach Kriegsende zog sich Turing ins akademische Leben zurück, blieb aber weiter im Dienste Seiner Majestät George VI. Alan Turings späte Arbeiten über künstliche Intelligenz und mathematische Prozesse in der Biologie gelten heute als bahnbrechend. Sein Beitrag zum Sieg der Alliierten gegen Nazideutschland blieb aber bis in die 70er-Jahre hinein ein wohlbe­hütetes Staatsgeheimnis.

Turings Homosexualität, an der die Verlobung mit der Kryptografin Joan Clarke 1941 gescheitert war, wurde ihm aber zum Verhängnis. 1952 brach ein Komplize eines seiner Liebhaber in Turings Wohnung bei Manchester ein. Während der polizeilichen Ermittlungen bekannte sich der Forscher zu seinen damals gesetzeswidrigen sexuellen Präferenzen. Turing wurde wegen grober Unzucht verurteilt und musste zwischen einem Gefängnisaufenthalt und einer chemischen Kastration wählen. Er entschied sich für eine Hormontherapie, die seine Libido stillen sollte – ihm als Nebenwirkung aber vergrösserte Brustdrüsen und Depressionen bescherte.

Das britische Establishment, das Turing für seine Arbeit in Bletchley Park 1945 noch mit dem Order of the British Empire (OBE) ausgezeichnet hatte, liess ihn fallen. Einen Homosexuellen wollte man nicht in seinen Reihen haben. 1954, zwei Jahre nach seiner Verurteilung, starb Alan Turing. Den Geheimdiensten wurde lange eine Mitschuld an seinem Tod nachgesagt. Wie das Zyanid in seinen Körper gelangt war, das bei der Gerichtsuntersuchung gefunden wurde, ist auch heute noch umstritten. Mittlerweile hat sich aber die Meinung durchgesetzt, dass Turing in seiner Wohnung Selbstmord beging.

Späte Rehabilitation

Turings mathematisches Genie und die unmenschliche Art, wie er behandelt wurde, machten ihn zu einer tragischen Figur. Seine Arbeiten im Bereich der theoretischen Informatik brachten ihm, vor allem in der aufkeimenden Computerindustrie, viel Respekt und Verehrung ein. Bis er von der britischen Regierung rehabilitiert wurde, verstrichen aber mehr als fünf Jahrzehnte.

Erst auf grossen öffentlichen Druck hin entschuldigte sich der britische Premierminister Gordon Brown 2009 dafür, wie dieser für die Geschichte Grossbritanniens entscheidende Mann behandelt worden war. Nach viel parlamentarischem und juristischem Hickhack begnadigte Elizabeth II. Alan Turing im August 2014. Die Begnadigung kam zwar zu spät für die Feiern zu seinem 100. Geburtstag am 23. Juni 2012 – aber gerade rechtzeitig zur Weltpremiere von «The Imitation Game». Bessere Werbung kann ein Film nicht bekommen.

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Neue Zürcher Zeitung, 21/01/2015
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23/01/2015
Umdichtung und Wahrheit

Der Ruhm für den genialen Mathematiker Alan Turing kommt spät: "The Imitation Game" ist der erste Film, der dem Enigma-Code-Knacker zu angemessener Geltung verhilft. So mancher Kritiker ist dennoch nicht zufrieden.

De Kathleen Hildebrand 

Manchmal dauert es eine Weile, bis historische Wahrheiten ihren Weg in Bücher und Filme finden. Mit "The Imitation Game" ist gerade ein Film in die Kinosgekommen, dessen Thema nicht zum ersten Mal Stoff für einen größeren Publikumsfilm ist. Der freie Umgang seiner Vorgänger mit der Geschichte entsetzte nicht nur Biografen, sondern hatte sogar eine kleinere diplomatische Krise zur Folge.

Die aktuelle Film-Biographie von Regisseur Morten Tyldum erzählt die Lebensgeschichte des Mathematikers Alan Turing. Im Zweiten Weltkrieg arbeitete er in Bletchley Park, dem geheimen Zentrum britischer Kriegs-Kryptographie. Dort wurden die von "Enigma"-Maschinen verschlüsselten Funksprüche des deutschen Militärs abgefangen, aufgezeichnet und schließlich geknackt. Turing war der maßgebliche Kopf hinter der Entschlüsselung des Enigma-Codes, die Historiker heute als kriegsentscheidendes Ereignis betrachten: Wahrscheinlich hat die Möglichkeit, deutsche Funksprüche mitzuhören, den Zweiten Weltkrieg um mindestens zwei Jahre verkürzt.

Die Entrüstung war deshalb groß, als im Jahr 2000 der amerikanische U-Boot-Actionfilm "U-571" in die Kinos kam - und den Briten ihre Leistung wegfiktionalisierte. Matthew McConaughey, damals noch zweitrangiger Nachwuchsschauspieler, spielt darin einen amerikanischen U-Boot-Kapitän, dessen Crew eine Enigma-Maschine aus einem deutschen U-Boot erbeutet. Tatsächlich war es die Besatzung des englischen Zerstörers HMS Bulldog, die unter Einsatz ihres Lebens 1941 eine Enigma samt der zugehörigen Codebücher aus einem schwer beschädigten deutschen U-Boot barg - und so die Entschlüsselung erst möglich machte.

Britische Abgeordnete bezeichneten die Verfälschung im Film damals als "Affront", der damalige Premierminister Tony Blair sah in ihm eine Beleidigung der Royal Navy. Am Ende musste Präsident Bill Clinton einen schlichtenden Brief schreiben.

Doch so stolz die Briten heute auf die Entschlüsselung von Enigma sind - Alan Turing wurde erst spät Ruhm für seine Leistung zuteil. Die Geheimdienstsperre für die Enigma-Akten fiel erst in den Siebzigerjahren. Für Turing war das zu spät. Er hatte sich 1954 das Leben genommen, nachdem er sich wegen einer - damals in Großbritannien noch strafbaren - homosexuellen Beziehung einer chemischen Kastration unterziehen musste.

Der Film versuche, auf zwei Hochzeiten zu tanzen, sagen Kritiker

Dieser Hintergrund schürte die Kritik an einer Verfilmung des Stoffs, die nur ein Jahr nach dem verunglückten "U-571" in die Kinos kam. "Enigma", von Regisseur Michael Apted und Drehbuchautor Tom Stoppard auf Grundlage eines Romans von Robert Harris gedreht und produziert von Mick Jagger, erschien vielen Kritikern als Fiktionalisierung von Alan Turings Geschichte: Ein verschlossener, aber genialer Mathematiker kommt nach Bletchley Park und knackt den Enigma-Code. Auch Joan Clarke, Alan Turings Kollegin und kurzzeitige Verlobte, kann, wer will, in Kate Winslets Rolle der Hester Wallace wieder erkennen. Tauchte Alan Turing in Robert Harris' Romanvorlage immerhin noch namentlich auf, wird er im Film "Enigma" nicht einmal erwähnt.

Und nicht nur das: Was einigen Rezensenten damals bitter aufstieß, war die klischeehafte, heterosexuelle Liebesgeschichte, die der Film seinen Protagonisten erleben lässt. Der nämlich hat eine Affäre mit der glamourös schönen Femme Fatale Claire (Saffron Burrows), die sich später als Geheimagentin entpuppt, wie man es von einer glamourös schönen Frau im Nerd-Paradies Bletchley Park nicht anders erwartet.

Andrew Hodges, Mathematikprofessor und Turing-Biograf, lästerte damals in einer Rezension über den in seinen Augen übermäßig mit Abenteuer angereicherten Film: "Wenn Sie einen Mathematiker erleben wollen, der auf der Flucht vor seinen Verfolgern im Auto über Landstraßen rast, dann voll bekleidet bei hohem Wellengang im Meer schwimmt und auf seinen spionierenden Kollegen schießt, der ein gerade auftauchendes U-Boot erreichen will, dann sollten Sie diesen Film sehen." Der Film suggeriere, dass seine Hauptfigur Alan Turing sei, unterschlage aber dessen Lebenswirklichkeit: "Turing war ein schüchterner schwuler Mann, der 1943 seine sexuelle Orientierung so gut wie akzeptiert hatte und auf sehr moderne Weise offen damit umging."

Erst "The Imitation Game" verhilft Turings Rolle und seiner schwierigen Lebensgeschichte nun zu angemessener Geltung. Doch auch an diesem Film gab es Kritik. Rezensenten und Kommentatoren des britischen Guardian sowie der New York Times bemängelten, dass Alan Turings sexuelle Orientierung zwar thematisiert werde. Filmisch drücke sich Morten Tyldum aber doch um sie herum: Die "heißeste" Szene des Films sei die, in der der Schuljunge Alan ein keusches Briefchen an seinen Schwarm Christopher formuliert. Der Film versuche, auf zwei Hochzeiten zu tanzen, schrieb Catherine Shoard, die Filmkritikerin des Guardian: Romantische oder gar sexuelle Szenen zwischen ihm und einem anderen Mann zeige der Film nicht - schmücke sich aber im Abspann mit Turings "Märtyrergeschichte".

In diesem Abspann liest man auch, dass Turing 2013 posthum von der Queen begnadigt wurde. Für die übrigen fast 50 000 Homosexuellen, die in Großbritannien für ihre Sexualität verurteilt wurden, während das Gesetz über die sogenannte "gross indecency" geltendes Recht war, gilt das indes nicht. Zumindest diese Geschichte dürfte noch nicht restlos auserzählt sein.

© Tous droits réservés Süddeutsche Zeitung. Fourni par Süddeutsche Zeitung Archiv
Dokumentation über Alan Turing
Denis van Waerebeke / ARTE
de / 23/01/2017 / 59‘55‘‘

A demonstration of the Enigma machine
James Grime / Perimeter Institute
en / 22/06/2014 / 14‘03‘‘

Morten Tyldum on directing the film
/ Bully Pictures
en / 11/06/2017 / 4‘03‘‘

Interview Benedict Cumberbatch
/ The Hollywood Reporter
en / 03/12/2014 / 49‘03‘‘

Interview Benedict Cumberbatch
De / Nerdist
en / 67‘05‘‘

Données du filmo

Autres titres
The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben DE
Imitation Game FR
Genre
Historique, Drame, Film de guerre
Durée
113 Min.
Langue originale
Anglais
Ratings
cccccccccc
ØVotre évaluation6,1/10
IMDB:
6,1 (14)
Cinefile-User:
< 10 votes
Critiques :
< 3 votes q

Casting & Equipe techniqueo

Benedict CumberbatchAlan Turing
Keira KnightleyJoan Clarke
Matthew GoodeHugh Alexander
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Bonuso

iVidéo
Dokumentation über Alan Turing
ARTE, de , 59‘55‘‘
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A demonstration of the Enigma machine
Perimeter Institute, en , 14‘03‘‘
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Morten Tyldum on directing the film
Bully Pictures, en , 4‘03‘‘
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Interview Benedict Cumberbatch
The Hollywood Reporter, en , 49‘03‘‘
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gPresse écrite
Critique Le Monde
Franck Nouchi
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Critique The Guardian
Mark Kermode
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Critique züritipp
Nick Joyce
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Critique Neue Zürcher Zeitung
Björn Hayer
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Hintergrundbericht Alan Turing
Süddeutsche Zeitung / Kathleen Hildebrand
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hAudio
Interview Benedict Cumberbatch
Nerdist / en / 67‘05‘‘
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