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I, Daniel Blake

Ken Loach, GB, 2016o

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Daniel Blake, menuisier de 59 ans, se découvre cardiaque, ce qui l'oblige à avoir recours pour la première fois de sa vie à une aide sociale. Ses médecins lui interdisent de travailler. Mais l'administration le menace de sanctions financières s'il ne trouve pas un emploi. Lors d'un de ses rendez-vous ubuesques au Jobcentre, Blake fait la connaissance de Katie, mère célibataire contrainte de loger à 450 km de sa ville natale, sous peine de perdre la garde de ses deux enfants. Blake et Katie vont s'entraider.

Certains voudraient le lui reprocher, arguant, non sans raison, qu'il y a quelque chose du chantage émotionnel dans ce tract cinématographique résolument manichéen, mais ce serait faire à l'artiste le procès de son talent. Ken Loach n'est jamais aussi bon que lorsqu'il laisse vibrer sa conscience. Et la nôtre.

Phalène de la Valette

A 80 ans, Ken Loach n'a pas baissé les armes. Pas encore. Il a gardé intacts sa colère, son empathie, son humanisme. Sourd aux modes et aux postures cyniques, il peint, à nouveau, dans "Moi, Daniel Blake", "son" Angleterre (...) : ce peuple que plus personne, sauf lui, n'appelle la classe ouvrière.

Cécile Mury

«I, Daniel Blake» gewann in Cannes dieses Jahr die Goldene Palme. Und Ken Loach, der alte Meister, der sein grosses Herz auf dem rechten linken Fleck trägt, bleibt seinem Engagement für die soziale Humanität treu. Man sagt es also nicht gern, aber obwohl man noch Reste einer realistischen Lakonie erkennt, ist dieser Film in seiner Gesamtheit doch ein überaus plakativer, sozialmelodramatischer und vor lauter Gutgemeintheit geradezu klebriger Kitsch.

Christoph Schneider

Eine wütende Anklage des britischen Sozialstaates, durch Altmeister Ken Loach, der - obwohl schon 80 - keineswegs versöhnlicher geworden ist. Hier folgt er dem früheren Zimmermann Daniel Blake in die Mühlen der britischen Bürokratie: Ignoranz und Willkür verhindern, dass Daniel nach seinem Herzinfarkt Sozialhilfe bekommt. Eine straight story: geradlinig, schnörkellos, idealistisch ohne Kompromisse. Dafür gab es in diesem Jahr die Goldene Palme in Cannes.

Martina Knoben

Ken Loach hat nach seinem letzten Film nochmals einen letzten Film gemacht und ist damit ganz zu seinen Anfängen zurückgekehrt: zu einem engagierten Film, der an die ­Menschlichkeit appelliert.

Susie Trenka

Galerie photoso

L'Obs, 12/05/2016

De Pascal Merigeau 

© Tous droits réservés L'Obs. Fourni par L'Obs Archiv
The Independent, 23/10/2016

De Kaleem Aftab  

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24/11/2016
"Ich, Daniel Blake" ist eine bittere Anklage gegen den britischen Sozialstaat

Regie-Urgestein Ken Loach kehrt ins Kino zurück - es ist sein unversöhnlichster Film seit Langem.

De Martina Knoben 

Eine Stunde und 48 Minuten hängt Daniel Blake mit Vivaldi in der Warteschleife. Dudulululu-dadumdam-dadumdam-dadadadadaahahh dudelt der "Frühling" aus dem Telefonhörer - eine kleine Hassmusik. Daniel versucht, das Sozialamt zu erreichen. Dass das Amt seine "Klienten" so lange warten lässt, illustriert die Asymmetrie in diesem Verhältnis und ein bürokratisches System, das Hilfsbedürftige abschreckt und oft auch hängen lässt, nicht nur in der Telefonschleife.

"Ich, Daniel Blake" ist eine bittere Anklage gegen den britischen Sozialstaat durch Altmeister Ken Loach, der dafür in diesem Jahr seine zweite Goldene Palme in Cannes gewann. Loach ist jetzt achtzig Jahre alt. Nach Werken wie "Kes", "Riff-Raff", "Raining Stones" oder "The Wind that Shakes the Barley" hätte er sich auf dem Filmolymp auch zurücklehnen können. Stattdessen ist "Ich, Daniel Blake" noch einmal ein kämpferisches Werk geworden - Loachs unversöhnlichster und wirkungsmächtigster Film seit Langem. In Großbritannien hat er einen Nerv getroffen. "Ich, Daniel Blake" ist dort ein Publikumserfolg und schaffte es in die politischen Debatten: Erst kürzlich drängte Labour-Chef Jeremy Corbyn Premierministerin Theresa May, sich den Film anzusehen, um die "institutionalisierte Barbarei" des britischen Sozialhilfesystems zu verstehen. Eine fiktive Geschichte wird zur politischen Nachhilfestunde erklärt - das muss ein Film erst einmal schaffen. "Wut kann sehr produktiv sein", hat Loach im Interview erklärt.

Ein filmisches Denkmal für die Arbeiterklasse

Dass "Ich, Daniel Blake" so gut ankommt, liegt vor allem an seinem Helden. Daniel Blake hat bis zu seinem Herzinfarkt als Zimmermann gearbeitet. Er ist ein aufrechter, ehrlicher Mann, der mit eigenen Händen ein Haus bauen könnte, seine kranke Frau bis zu ihrem Tod gepflegt hat und dessen Mutterwitz und Courage ihm auch in der Nachbarschaft Respekt garantieren. Wenn man der Arbeiterklasse ein filmisches Denkmal errichten wollte - so sähe es aus. Gleichzeitig ist diese Figur höchst lebendig, wie es Loachs Figuren immer sind. Gespielt wird Daniel Blake vom Stand-up-Comedian Dave Johns. Das Rhythmusgefühl des Komödianten sei ihm wichtig gewesen, hat Loach erklärt.

Der Regisseur und sein langjähriger Drehbuchautor Paul Laverty haben ihrem Helden Dialoge in den Mund gelegt, deren oft gallenbitterer Witz dem Sozialdrama Schwung gibt. Etwa wenn Daniels Arbeitsfähigkeit von einer "Gesundheitsdienstleisterin" im Schnelldurchlauf gecheckt wird: "Können Sie Ihre Arme so heben, als wenn Sie einen Hut aufsetzen? Können Sie Tasten drücken?" Solche Standardfragen muss Daniel beantworten, die an seinen Herzproblemen auf groteske Weise vorbeizielen. Keine fünf Minuten dauert der Check, und Daniel wird als "arbeitsfähig" eingestuft. Dabei wäre Arbeit für den herzkranken Daniel lebensgefährlich.

Das Sozialamt streicht ihm trotzdem die Unterstützung, Daniel gerät in eine Bürokratie, deren Schikanen und Irrwege zunehmend kafkaesk anmuten. Als er nach zwei Stunden Vivaldi endlich mit einem Mitarbeiter des Sozialamtes spricht, erfährt er, dass sein "Gesundheitsdienstleiter" ihn vor dem schriftlichen Bescheid hätte anrufen sollen: Er möge doch bitte auf diesen Anruf warten und dann eine Nachprüfung beantragen. Weiter geht's mit Anträgen, die nur online gestellt werden können, eine fast unüberwindliche Hürde für den 59-Jährigen. Besonders grotesk ist schließlich ein Bewerbungstraining: Daniel soll üben, einen Lebenslauf zu schreiben, um sich auf Stellen zu bewerben, die es nicht gibt und die er, gäbe es sie, ohnehin nicht annehmen könnte - es ist zum Verrücktwerden.

Der Irrsinn wird im Rhythmus und mit den Pointen einer Komödie dargelegt, einer Gattung, die ja grundsätzlich etwas Mechanisches hat. Nur dass die Mechanik dieses Systems sehr real ist. Und nicht nur Daniel wird darin zerrieben. Wenn Daniels Nachbarn von ihren Deals mit chinesischen Turnschuhen erzählen, ist das mehr als ein comic relief, hier klingt das ganze Elend einer globalisierten Wirtschaft an. Als Hoffnungsschimmer erscheint, wie so oft in Loachs Filmen, die Solidarität der Schwachen untereinander. Im Jobcenter lernt Daniel die alleinerziehende Mutter Katie (Hayley Squires) und ihre Kinder Daisy und Dylan kennen, die ähnlich wie er in existenzieller Not leben. Besonders drastisch ist eine Szene in einer Essensverteilungsstelle, wo Katie eine Konservendose aufreißt und sich den Inhalt mit den Händen in den Mund schaufelt. Die Not, die in dieser Szene zum Ausdruck kommt, ist nicht erfunden. Loach und sein Drehbuchautor haben sie bei der Recherche erlebt.

Der Staat schützt die Schwächsten nicht mehr

Hayley Squires als Katie strahlt eine tolle Lebendigkeit aus. Wie Daniel ist auch sie auf eine Weise aufrichtig, ja "unschuldig", die ihr in diesem System kaum eine Chance lässt. Dass die beiden einander helfen, ist schließlich kein Ausweg. Katie bleibt am Ende nur die Prostitution. In einem anderen Film würde die Erzählung spätestens an diesem Punkt auf Abwege geraten, würden sich Streitereien zwischen ihr und Daniel in den Vordergrund schieben.

"Ich, Daniel Blake" aber bleibt bis zum Ende so straight wie seine Hauptfigur. Nichts lenkt vom zentralen Konflikt ab - der Auseinandersetzung mit einem Staat, der die Schwächsten nicht mehr schützt, ihnen sogar die Individualität abspricht. Schließlich sprüht der Verzweifelte seine Anklage auf die Mauer des Jobcenters: "Ich, Daniel Blake, verlange einen Termin für meinen Widerspruch, bevor ich verhungere." Zu anderen Zeiten, in einem anderen Film hätte es nun Aufruhr gegeben, hätte die Aktion womöglich noch eine Wende eingeleitet.

Hier aber beklatschen nur ein paar Passanten die Aktion, die meisten gehen allerdings weiter. Daniel wird verhaftet und entschuldigt sich. Seine Anklage - das ist die bitterste Diagnose des Films - wird wohl bald entfernt werden.

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12/05/2016
I, Daniel Blake

Es ist grau in Nordengland – der Himmel, die Stellwände, die Sitzmöbel. In der schlechtesten aller Welten ist ein breites Lächeln vielleicht gar nicht so kitschig, wie es klingt.

De Lukas Stern 

Wenn Daniel Blake lacht, dann lacht sein ganzes Gesicht - ein Lachen, das besonders in Kindern ein unmittelbares Vertrauen wachsen lässt. Wenn es darum geht, dass Hunde im eigenen Vorgarten Gassi geführt werden oder der Nachbar seinen Müll nicht ordnungsgemäß entsorgt, dann kann Daniel Blake (Dave Johns) ziemlich kratzbürstig werden – aber auch das ist nur Ausdruck einer ganz natürlichen und unaufdringlichen Autorität. Der junge Mann aus der Wohnung nebenan schaut zwar etwas genervt hinüber, nimmt dann aber sofort den Müllsack in die Hand und schleppt ihn mit büßendem Schritt die Treppen runter. Angesichts der Unverstelltheit und Warmherzigkeit, mit der der knapp sechzigjährige Daniel Menschen begegnet, kann man gar nicht anders, als ihm dieses Minimum an Ordnung in seiner allernächsten Umgebung zu gewähren.

Gesprochene Abstände

Mit Ich, Daniel Blake durchleuchtet Ken Loach ein weiteres Mal das tägliche Leben des britischen Arbeitermilieus, ein Milieu, das sich alleine schon im Dialekt ausdrückt und für das es zunächst auch kein anderes Bild braucht als dieses Klangbild: Zu Beginn des Films, noch während auf schwarzem Grund die Titel erscheinen, folgen wir einem Gespräch zwischen Daniel und einer Gesundheitsdienstleisterin, die mit ihm einen Fragenkatalog abarbeitet, auf dessen Grundlage sein Anspruch auf staatliche Pflegeleistungen erhoben wird. Vor Kurzem hatte Daniel einen Herzinfarkt, sein Arzt riet ihm eindringlich, nicht weiterzuarbeiten, und nun wird er gefragt, ob es ihm leicht falle, mit beiden Händen einen Hut aufzusetzen. In dieser ersten Szene genügt das reine Sprechen, der ins Schottische tendierende Dialekt Daniels und das empathielose, ins Robotische tendierende Idiom der Sachbearbeiterin, um den Abstand, den die verwaltete Welt zwischen die Menschen treibt, aufzufalten. Das Gespräch bewegt sich zunehmend ins Absurde, die Fragen driften von Daniels Herzproblemen ab, weg von ihm und seinen konkreten Leiden. Es hat deshalb durchaus programmatischen Charakter, dass Loach diesem Mann im Titel des Films ein „I“ vorausschickt, jenes „Ich“, das sich in den administrativen Beziehungen zwischen den Menschen zur Sozialversicherungsnummer verformte.

Welt aus grauen Stellwänden

Ein Großteil des Films spielt in solchen Verwaltungseinrichtungen. Dort sitzt man auf grauen Polstermöbeln und wartet in einer der mindestens genauso grauen Beratungsbuchten eines Großraumbüros auf seinen Termin. Überhaupt sind es höchstens Notausgangsschilder, die in diesen Räumen noch etwas Farbe spenden. Es ist ein bitteres Szenario, in das Loach seinen Protagonisten schickt, eines, in dem ihm kaum mehr übrig bleibt, als angesichts der aberwitzigen Fragen und Auflagen der Sachbearbeiter das Gesicht in der Hand zu vergraben, jenes Gesicht, dessen Lächeln doch derart Glück und Sicherheit stiftet, wenn andere Not leiden. Dabei ist Loachs Perspektive auf den Stellenwert der Menschenwürde in dieser Welt aus grauen Stellwänden sicher nicht die subtilste – dafür ist sie aber konsequent, sogar noch über das Ende dieses Gewaltmarschs durch die institutionelle Kontrolle und Schikane hinaus. Wenn Daniel in einem Akt letzten Aufbäumens das Versicherungsgebäude besprayt, seinen Namen, sein Anliegen und seine Ablehnung gegenüber der Telefonwarteschleifenmusik schriftlich kundtut, wenn er dabei um Selfies gebeten wird, von Passanten beklatscht und bejubelt, zum Helden ausgerufen wird, dann wird in dieser Szene der Working Class Hero ebenso schnell geboren, wie er von der Polizei wieder entsorgt wird.

Dann schütten wir eben den Abstand mit Gefühlen zu!

Loach glaubt nicht naiv an Auswege aus der verwalteten Welt; woran er stattdessen glaubt, und das mit einer vielleicht gar nicht so ungemäßen gefühligen Haltung, ist die Solidarität und die Freundschaft. Zwischen Daniel und der alleinerziehenden Katie (Hayley Squires), die er zusammen mit ihren kleinen Kindern im Stellwandparcours kennenlernt, entwickelt sich eine solche Freundschaft, in die vielleicht gerade deshalb derart überschüssig Gefühle investiert werden, weil sie das noch einzig verfügbare Material darstellen, mit dem der Abstand zwischen den Menschen wieder überbrückbar erscheint. Dabei entstehen, so sozialidyllisch sich diese emotionsgebauschten Beziehungen in der schlechtesten aller Welten interpretieren lassen, durchaus sehr schöne Szenen. Einmal deutet die kleine Daisy auf eine Kassette und fragt Daniel, was das denn sei. Dann legen sie sie gemeinsam in den Rekorder. „Da musst du draufdrücken“, sagt Daniel und zeigt auf die Play-Taste; „etwas fester!“, sagt er ihr, die schon empfindlichere Oberflächen gewohnt ist, dann hören sie ein Stück, ja auch noch das Lieblingsstück von Molly, Daniels verstorbener Frau – und so viel Seligkeit darf einem kitschig und ideologisch, mindestens verdächtig erscheinen, aber Loach gelingt es immerhin, seine Figuren so zu inszenieren, dass ihnen dieser fremde Verdacht hübsch egal sein dürfte.

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I DANIEL BLAKE - Interview - VF - Cannes 2016
Pierre Zéni / Canal+
fr / 22/04/2019 / 10‘29‘‘

The Story of Stuart
N.N. / The Economist
en / 08/01/2017 / 4‘09‘‘

Video Essay: Cutting a Ken Loach Film
Abolfazl Talooni / Fandor
en / 05/02/2017 / 9‘21‘‘

Interview with Cast and Crew
Andrew Pulver/Jonross Swaby / The Guardian
en / 19/10/2016 / 6‘25‘‘

Meet the Real Daniel Blake
John Domokos/Caterina Monzani/James Bolchover/Jess Gormley/Michael Tait / Filmbulletin
en / 19/10/2016 / 6‘08‘‘

Podcast
De The Cinema Show / Monocle
en / 27‘35‘‘

Données du filmo

Autres titres
Ich, Daniel Blake DE
Moi, Daniel Blake FR
Genre
Drame
Durée
100 Min.
Langue originale
Anglais
Critiques
cccccccccc
IMDb7,9/10

Casting & Equipe techniqueo

Dave JohnsDaniel
Hayley SquiresKattie
Dylan McKiernanDylan
PLUS>

Bonuso

iVidéo
I DANIEL BLAKE - Interview - VF - Cannes 2016
Canal+, fr , 10‘29‘‘
s
The Story of Stuart
The Economist, en , 4‘09‘‘
s
Video Essay: Cutting a Ken Loach Film
Fandor, en , 9‘21‘‘
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Interview with Cast and Crew
The Guardian, en , 6‘25‘‘
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Meet the Real Daniel Blake
Filmbulletin, en , 6‘08‘‘
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gPresse écrite
Critique L'Obs
Pascal Merigeau
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Interview with Director Ken Loach
The Independent / Kaleem Aftab
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Critique Süddeutsche Zeitung
Martina Knoben
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Critique critic.de
Lukas Stern
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hAudio
Podcast
Monocle / en / 27‘35‘‘
s
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