r The North
Bart Schrijver, Pays-Bas, 2025o
A decade after they were best friends and roommates, Chris and Lluis set out on a 600 kilometer hike through the Scottish Highlands to reconnect with each other, nature and parts of themselves they lost.
Die beiden Jugendfreunde Lluis (Carles Pulido) und Chris (Bart Harder) nehmen sich etwas Grosses vor: Zuerst den West Highland Way, einen schottischer Fernwanderweg von Glasgow bis Fort William, zu durchwandern, danach den Cape Wrath Trail durch abgelegenes bergiges Gelände bis ans Meer. Insgesamt 600 km exakt in einem Monat, das jedenfalls ist das erklärte Ziel, und man merkt von Beginn weg, dass der sportliche Ehrgeiz bei diesem Unternehmen mindestens so wichtig ist wie die Idee einer Auszeit in freier Natur. Lluis und Chris haben einst zusammen gewohnt und sich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen. Vielleicht geht es also auch darum, ihre Freundschaft wiederzubeleben – doch erfahren wir von den beiden nur das Nötigste: Chris möchte bald Vater werden, Lluis neue Dinge ausprobieren, um mehr über sich zu erfahren. Bei aller Vertrautheit der beiden fällt auf, wie wenig sie miteinander reden. Als sie in einer Hütte einem Mann begegnen, der offen von seinen Gefühlen spricht, erzählt Lluis dem Fremden etwas Persönliches, von dem Chris nichts weiss – ohne dass dies Anlass zu einer Klärung wird: Die beiden ziehen sich nur noch mehr in sich zurück. Wie in allen Wanderfilmen machen auch in The North betörende Naturaufnahmen einen Teil des Genusses aus: Die schottischen Highlands bieten atemberaubende Ausblicke in karge Schönheit – und man fühlt sich auch als Zuschauer:in mittendrin, dank einer fast dokumentarischen Authentizität (die Schauspieler und das kleine Filmteam des niederländischen Regisseurs Bart Schrijver haben den Grossteil der Strecke selber zu Fuss zurückgelegt). Für Schrijver sind die Stille und Einsamkeit beim Wandern schon fast so etwas wie ein Lebensthema, seit er einmal mit einem Freund viereinhalb Monate lang Tausende Kilometer durch Neuseeland getrekkt ist. In seinem letzten Film Human Nature (2022) wandert eine Frau 500 km allein durch die arktische Region Norwegens. Während dort das Schweigen quasi naturgegeben war, entwickelt sich in The North eine feine, untergründige Spannung gerade dadurch, dass man nur ahnt, was in den beiden Männern wohl vorgeht. Wirklich ausgelassen sind die Männer nämlich nur, wenn sie zusammen UNO spielen.
Kathrin Halter
