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Le ciel attendra

Marie-Castille Mention-Schaar, France, 2016o

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Sonia, 17 ans, a failli commettre l'irréparable pour "garantir" à sa famille une place au paradis. Mélanie, 16 ans, vit avec sa mère, aime l'école et ses copines, joue du violoncelle et veut changer le monde. Elle tombe amoureuse d'un "prince" sur Internet. Elles pourraient s'appeler Anaïs, Manon, Leila ou Clara, et comme elles, croiser un jour la route de l'embrigadement... Pourraient-elles en revenir?

Le ciel attendra n'excuse rien ni personne. Poussé par des interprètes épatants, il expose des drames humains brûlant d'actualité, soulignant implicitement que cela n'arrive pas qu'aux autres.

Christophe Carrière

Déradicalisation, désembrigadement… Le ciel attendra montre ce que recouvrent ces grands mots, les drames intimes, les souffrances de ces familles livrées à elles-mêmes, à leur désarroi, à leur impuissance.

Etienne Sorin

Ein Albtraum für alle Eltern: Das eigene Kind wird vom IS abgeworben und geht nach Syrien. Die französische Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar hat für ihren zweiten Spielfilm monatelang mit der Sozialarbeiterin Dounia Bouzar zusammengearbeitet, die im Film sich selber spielt - und fassungslosen Müttern und Vätern die Augen dafür öffnet, dass der Rückzug der eigenen Kinder wenig mit Pubertät und viel mit tödlicher Radikalisierung zu tun hatte.

Alex Rühle

Galerie photoso

Variety, 10/08/2011

De Jay Weissberg 

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Screen Daily, 08/08/2016

De Allan Hunter 

© Tous droits réservés Screen Daily. Fourni par Screen Daily Archiv
à VOIR à LIRE, 02/10/2016
à VOIR à LIRE

De Claudine Levanneur 

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Le Parisien, 04/10/2016

De Pierre Vavasseur 

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21/03/2017
Vom Löwenprinzen verführt

Der Film „Der Himmel wird warten“ erzählt von zwei Mädchen in Paris, die aus ihrem bürgerlichen Idyll in die brutale Welt des IS ziehen. Eine viel zu wahre Geschichte.

De Alex Rühle 

Eine merkwürdige Irritation: Da sitzt diese Frau am Tisch, bildet das Kraftzentrum der Runde – und doch merkt man, dass etwas anders ist mit ihr. Sie erklärt den Eltern, wie es sein konnte, dass ihre wohlbehüteten Kinder dem IS auf den Leim gegangen sind. Die zuhörenden Schauspieler wirken echt, man fragt sich, ob das wirkliche Eltern sind, so gut spielen sie Bestürzung, Verzweiflung, hilflose Wut. Dazu die schnelle Handkamera, die so nahe an die Gesichter rangeht, dass man die nervös zuckenden Sehnen unter den Augenlidern sieht. Dounia Bouzar aber, die sich selber darstellt, wirkt momentweise unecht, eben weil sie dann spielt und das ja gar nicht wirklich kann.

Trotzdem gewinnt „Der Himmel wird warten“ gerade aus Bouzars Teilnahme eine große Kraft, gibt sie der Geschichte doch ihre dokumentarische Beglaubigung. Die Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar hat Dounia Bouzar vor den Dreharbeiten drei Monate bei ihrer Arbeit begleitet. Die Anthropologin Bouzar, Tochter eines Algeriers und einer Korsin, hat vor drei Jahren das französische Zentrum zur Prävention, Entradikalisierung und individueller Betreuung (CPDSI) mitbegründet, dessen Mitarbeiter mittlerweile über 1100 Jugendliche und deren Eltern betreut und durch ihr Deradikalisierungsprogramm begleitet haben. Eltern, deren Haus nachts von Antiterroreinheiten gestürmt wird, weil ihr Sohn einen Anschlag plante. Mütter, die morgens vor dem leeren Bett im Kinderzimmer stehen, weil ihre Tochter tatsächlich abgehauen ist in die Türkei, um von dort weiterzuziehen in die IS-Gebiete.

So ähnlich ist es mit Sonia und Mélanie, zwei 16-jährigen Mädchen, deren so fiktive wie exemplarische Geschichten „Der Himmel wird warten“ erzählt: Sonia wird festgenommen, weil sie in Anschlagsvorbereitungen verwickelt war. Mélanie wird im Netz angeworben und verschwindet nach Syrien. Ihre Mutter versucht nun vergeblich, sie aus der Ferne zu finden – oder gar selbst in die IS-Gebiete zu fahren.

Mention-Schaar will vor allem zeigen, wie es so weit kommen kann. Wie es den Anwerbern gelingt, sich in wohlbehütete Teeniezimmer einzuschleichen. Bei Mélanie ist es der Löwenprinz, eine Facebook-Bekanntschaft. Als ihre geliebte Großmutter stirbt, reagieren ihre Freunde mit Schablonensätzen und Emojis. Der Prinz aber findet die richtigen Worte der Trauer und Anteilnahme. Und zieht sie so in einen Liebesdialog, der sich über ihren weichen Idealismus an ihre tiefsten Überzeugungen heranschleicht, um peu à peu gesetzes-textartige Strenge anzunehmen: Du sollst nicht mit den anderen reden, ich beschütze deine Reinheit. Als gegen Ende des Films das Amazon-Paket mit ihrem Ganzkörperschleier kommt, freut sie sich wie andere über die schickste Jeans. Das anschließende albtraumhafte Bild verfolgt einen noch lange nach dem Film: Mélanie, die man immer wieder in ihrem Zimmer Cello spielen sah, mit offenem rotem Haar – plötzlich sitzt sie da, selbes Cello, selbes Teeniezimmer, aber jetzt spielt sie den sehnsuchtsvollen Schumann in gesichtsloser Burka. Kurz danach verschwindet sie.

Während man also Mélanie Schritt für Schritt in die Isolation folgt, geht Sonia den umgekehrten Weg. Sie hat im Nachhinein besehen das Glück, dass ein Antiterrorkommando eines Nachts ihr Elternhaus stürmt. Sie war in Anschlagspläne verwickelt und wird zu einer Art Isolationshaft zu Hause verurteilt. Das daraus entspringende Kammerspiel ist großartig. Plötzlich dieser Alien im Haus . . .

Drei Tage bevor die Dreharbeiten anfingen, fielen Terroristen über Paris her, Stade de France, Bataclan, der 13. November, 130 Tote, Ausnahmezustand. Die Täter kamen großteils aus den Pariser Banlieues. – Man glaubt, die Druckwelle dieser Attentate und des kollektiven Schocks bis in die Körpersprache der Protagonisten hinein zu spüren. Sandrine Bonnaire spielt die Mutter, die plötzlich wieder 24 Stunden am Tag auf ihre Tochter aufpassen soll, mit einer solchen Intensität, dass man sich sorgt, ihr könne irgendwann eine Schläfenader platzen. Zinedine Soualem, der hilflos aggressive Vater, hängt die Badezimmertür aus, damit seine Tochter sich nicht mehr zum Beten zurückziehen kann. Und Noémie Merlant, die Tochter, hat ein beeindruckend stählernes Funkeln in den Augen. Rastlos, wie eine Drogenabhängige auf Entzug, sucht sie nach Möglichkeiten, wieder in Kontakt zu treten mit ihren Salafisten, schließlich ist sie überzeugt, dass sie das Seelenheil ihrer ungläubigen Familie nur durch einen Anschlag retten kann.

Okay. Ist das nicht zu viel des Guten? Anruf in Paris. Bei Dounia Bouzar. Da sie unter Polizeischutz steht, ist es nicht so leicht, sie zu erreichen. Als sie dann doch rangeht, erst mal die Frage nach der Glaubwürdigkeit des Drehbuchs: Bourgeoise 16-Jährige, die in den Dschihad ziehen, um ihren Eltern Tickets fürs Paradies zu sichern? Bouzar lacht am anderen Ende der Leitung wie ein Bass-Sänger beim morgendlichen Mundwassergurgeln. „Hatte ich hier alles schon sitzen. Sogar jüdische Mädchen, die Attentate begehen wollten, um so ihre eigenen Eltern von der Sünde des Jüdischseins reinzuwaschen.“ Und wie viele solcher Anwerbungen gibt es? Laut Bouzar wandten sich in Frankreich 2015 und 2016 jeweils rund 15 000 Eltern entweder an die Polizei oder an ihre eigene Organisation. Circa 1200 Franzosen sind nach Syrien gegangen, „aus allen Schichten, von altem Landadel bis zu Einwandererpatchworkfamilien“. Wenn Bouzar davon spricht, wie die Angeworbenen von ihr wieder zurückgeführt werden in ihr altes Leben, muss man wieder an Noémie Merlant denken, die in ihren Verzweiflungsschüben was von einer durchgeknallten Fixerin hat: Bouzar spricht von kaltem Entzug, von Entgiftung und davon, dass die Rückfallgefahr zehn Jahre lang anhalte.

Bouzar arbeitet mit ehemaligen Salafisten zusammen, weil sie überzeugt davon ist, dass anfangs nur andere Rückkehrer es schaffen, zu den Angeworbenen ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, Leute, die selbst einst den Sirenengesängen erlegen sind. Leider wurden ihrer Organisation kürzlich vom Staat alle Mittel gestrichen. Die französische Regierung hat jetzt nämlich selbst ein Deradikalisierungsprogramm initiiert. Es soll auf freiwilliger Basis funktionieren. Bouzar schickt noch mal ihr Basslachen durch die Telefonleitung: „Terroristen, die freiwillig zur Therapie gehen, darauf muss man erst mal kommen. Der IS füllt ganze Webseiten mit Witzen über dieses naive Programm.“

Das Regierungsprogramm gilt bereits als gescheitert. „Der Himmel wird warten“ aber hat in Frankreich an einen kollektiven Schmerzkern gerührt, der Film wurde im vergangenen Herbst einhellig bejubelt.

© Tous droits réservés Süddeutsche Zeitung. Fourni par Süddeutsche Zeitung Archiv
epd Film, 23/02/2017
Der Himmel wird warten

Auf dem schmalen Grat zwischen Dokumentation und Fiktion stellt Marie-Castille Mention-Schaar zwei Fallgeschichten über Radikalisierung und die Mechanismen der IS-Rekrutierung nach.

De Anke Sterneborg 

Es gibt eine neue düstere Kraft, die Teenager von ihren Familien entfremdet. Statt RAF und Drogen sind es heute eventuell die Anwerber des IS, die den Jugendlichen ein Werkzeug im Kampf gegen die innere Unsicherheit und Verlorenheit liefern und zur Rebellion gegen ihre Eltern führen. In Frankreich haben sich schon eine ganze Reihe von Filmen mit dem Thema befasst, das in Deutschland bisher vor allem in Zeitungsreportagen ausgetragen wird, zum Beispiel als vor knapp zwei Jahren eine Sechzehnjährige aus Bayern über Istanbul in Syrien verschwand. Marie-Castille Mention-Schaar, die selbst eine 22-jährige Tochter und einen neun Jahre jüngeren Sohn hat, fand das Thema ihres neuen Films in Nachrichtenmeldungen über Eltern, die ihre Kinder verzweifelt suchen. Bald stieß sie dann auch auf Dounia Bouzar, die Eltern in Frankreich bei der Verarbeitung des Traumas unterstützt, die ihnen hilft, Hoffnung zu schöpfen auf der Suche nach den Kindern und im schwierigem Prozess der Entradikalisierung und die ihnen hilft, den Unterschied zwischen Islam und IS zu verstehen.

Dounia Bazar spielt sich im Film selbst, als Signal der feinen Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion, auf dem sich dieser Film bewegt. In der Himmel wird warten kreuzt Mention-Schaar zwei fiktive Fallgeschichten, die sie aus vielen realen Radikalisierungsbiografien destilliert hat: Sonia, die sich in einem schwierigen Prozess unter Hausarrestobhut der Eltern aus dem IS löst, nachdem sie kurz vor der Ausführung eines Anschlags zu Hause festgenommen worden war. Und Mélanie, die sich beim Chatten in einen jungen Muslim verliebt, der sie mit seinen Liebesbekundungen und Heilsversprechen schleichend indoktriniert und aus ihrem bisherigen Lebenszusammenhang herauszieht. Gespielt werden die beiden jungen Frauen von Naomi Amarger und Noémie Merlant, die schon zu den »SCHÜLERN DER MADAME ANNE« gehörten, im letzten Film der Regisseurin.

Drehbeginn war zufällig wenige Stunden nach den Pariser Terroranschlägen vom 13. November 2015, wodurch das Projekt eine fast unerträgliche Brisanz bekam. Umso ergreifender ist es, wie ernsthaft und einfühlsam dieser Film die komplexen Zusammenhänge beleuchtet, die fragilen Gefühlswelten der Teenager auf der Suche nach Idealen und Utopien, die panischen Ängste der Eltern (Sandrine Bonnaire, Zinedine Soualem, Clotilde Coureau, Yvan Attal) um ihre Kinder, aber auch die raffinierte Arbeitsweise der IS-Rekrutierung und die Mechanismen der sozialen Netzwerke, die sich die Islamisten zu Nutze machen. Dabei entwickelt die Wärme und ruhige Bedachtsamkeit der Mediatorin Dounia Bazar eine universelle Kraft, die der populistischen Panikmache ein Plädoyer für einen unaufgeregten und differenzierten Umgang mit Islam und Islamisten entgegensetzt. Wie schwer es ist, sich einen Weg durch das Gestrüpp der Gefühle und Strategien zu bahnen, vermittelt die Regisseurin nicht zuletzt auch durch die komplizierte Verflechtung der Erzählstränge und Zeitebenen.

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Deutschlandfunk, 17/03/2017

De Susanne Burg 

© Tous droits réservés Deutschlandfunk. Fourni par Deutschlandfunk Archiv
TAZ, 31/12/2015

De Sabine am Orde 

© Tous droits réservés TAZ. Fourni par TAZ Archiv
Interview Marie-Castille Mention-Schaar et Noémie Merlant
/ Les Têtes A Clap Officiel
fr / 21/10/2016 / 5‘37‘‘

La matinale info
/ iTELE
fr / 03/10/2016 / 7‘32‘‘

Reportage: Zwei Mädchen auf dem Weg zum IS
Ebru Tongar, Jochen Becker, Volkmar Kabisch / NDR
de / 05/06/2016 / 7‘01‘‘

Données du filmo

Autres titres
Der Himmel wird warten DE
Heaven Will Wait EN
Genre
Drame
Durée
105 Min.
Langue originale
Français
Critiques
cccccccccc
Øk.A.
IMDb
n.d.

Casting & Equipe techniqueo

Clotilde CourauSylvie
Sandrine BonnaireCatherine
Noémie MerlantSonia Bouzaria
PLUS>

Bonuso

iVidéo
Interview Marie-Castille Mention-Schaar et Noémie Merlant
Les Têtes A Clap Officiel, fr , 5‘37‘‘
s
La matinale info
iTELE, fr , 7‘32‘‘
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Reportage: Zwei Mädchen auf dem Weg zum IS
NDR, de , 7‘01‘‘
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gPresse écrite
Critique Variety
Jay Weissberg
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Critique Screen Daily
Allan Hunter
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Critique à VOIR à LIRE
Claudine Levanneur
s
Critique Le Parisien
Pierre Vavasseur
s
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Alex Rühle
s
Critique epd Film
Anke Sterneborg
s
Interview mit Marie-Castille Mention-Schaar
Deutschlandfunk / Susanne Burg
s
Islamismusexpertin Claudia Dantschke über das Phänomen der IS-Mädchen
TAZ / Sabine am Orde
s
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